Scrimshaw

Eva Halat

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Eva Halat

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  • Scrimshaw-Künstlerin seit 1992

Wer sein Schmuck, Besteck oder Messer mit einer künstlerischen oder persönlichen Besonderheit verzieren möchte, könnte sich für die alte amerikanische Scrimshawkunst interessieren. Beim Scrimshaw werden die unterschiedlichsten Motive mit spitzem Werkzeug in Messergriffe aus Elfenbein, Knochen, Horn oder Kunststoff eingeritzt oder fein gepunktet. Diese uralte Technik wird heutzutage immer beliebter, insbesondere bei Kunstsammlern in den USA. In Europa sind es dagegen besonders die Messermacher- und sammler, die der Scrimshawkunst immer mehr Beachtung zukommen lassen. Wir haben einmal bei der deutschen Scrimshaw-Künstlerin Eva Halat nachgefragt, was es mit dem Scrimshaw auf sich hat und wie sie diese Technik einsetzt. Eva erklärt uns, welche Werkzeuge und Materialien beim Scrimshaw unverzichtbar sind und worauf man bei der Bearbeitung achten sollte. Die filigrane Detailgenauigkeit macht jedes Messer zu einem echten Kunstwerk. Wenn ihr euch auch für Scrimshaw begeistert oder es selbst gern ausprobieren wollt, bekommt ihr hier tolle Infos. Viel Spass beim Lesen!


2. Woher stammt Scrimshaw? Welche Entwicklungen gab es im Scrimshaw?3. Woher bekommt man die Ideen zu seinen Motiven?
5. Welche Materialien können beim Scrimshaw als “Leinwand” verwendet
werden?
6. Mit welchen und welcher Art Farben wird beim Scrimshaw gearbeitet?
8. Wie sollte man Messer mit einer Scrimshaw-Gravur pflegen?9. Auf welche Gegenstände bzw. für welche Zwecke wird Scrimshaw noch eingesetzt?
11. Wie lange benötigt ein Künstler für ein Scrimshaw-Motiv auf einem Messergriff?12. Welche Trends sehen Sie im Scrimshaw?






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1. Was ist Scrimshaw?

Auf einen einfachen Nenner gebracht: Scrimshaw ist eine Miniatur Punktier- und Ritztechnik, bei welcher mit einer feinen Stahlnadel unter einer Lupe oder Mikroskop Strukturen in eine polierte Oberfläche gearbeitet werden.

Eva Halat Scrimshaw Messer

© Eva Halat
Messer von Siegfried Rinkes mit einem Inutimotiv, das in zurückhaltenden “antik” wirkenden Farbtönen gestaltet wurde.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


2. Woher stammt Scrimshaw? Welche Entwicklungen gab es im Scrimshaw?

In tierische Materialien wurden weltweit schon seit Urzeiten mittels Ritztechnik Ornamente und schamanische Zeichen ein“graviert“. Das Prinzip an sich gibt es also schon sehr lange. Der Begriff „Scrimshaw“ stammt jedoch aus der Walfangära Nordamerikas des 18/19. Jahrhunderts. Die Schiffe hatten eine Mannschaft, um das Schiff zu bedienen und eine für den Walfang. Gab es für die Walfänger nichts zu tun, so „scrimmten“ diese am liebsten auf Pottwalzähne Motive aus ihrem Walfänger- und Seemannsleben. Auch lange nach dem Ende des Walfangs wurde nur Scrimshaw mit maritimen Motiven, möglichst von einem Seemann hergestellt, als Scrimshaw bezeichnet. In den USA sieht man es heute noch als „traditional American Folk Art“.
In den 80-er Jahren lebte Scrimshaw wieder auf, es gab in den USA große Scrimshawstudios mit vielen Künstlern und nicht-maritime Motive wurden immer beliebter und die Technik wurde unglaublich verfeinert. Einen Einbruch gab es wieder durch die Verbannung von Elfenbein. Aber heutzutage gibt es neben Mammutelfenbein, das unbeschränkt handelbar ist, und anderem freien tierischem Material auch noch viele Kunststoffe, die als Untergrund für Scrimshawarbeiten dienen können. Hauptsächlich durch die Messermacherszene ist Scrimshaw auch immer bekannter in Europa geworden.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


3. Woher bekommt man die Ideen zu seinen Motiven?

Ich kann da nur für mich sprechen, ich vermute aber dass es anderen Künstlern genauso geht wie mir: Die Herkunft der besten Ideen ist nicht nachvollziehbar, sie sind plötzlich da, meistens wenn man sie gar nicht sucht. Natürlich gibt es aber auch Motive, die man besonders liebt und in Variationen wiederholt, oder Auftragsarbeiten, bei welchen dann entweder nur die Thematik festgelegt wird und ich bei der Ausführung freie Hand habe (das liebe ich besonders) oder auch eine Vorlage vom Kunden geliefert wird, wie z. B. bei Portraits.
Ich persönlich arbeite, wenn es ein naturalistisches Motiv ist, immer nach Vorlage, das haben die alten Meister auch schon so gemacht. (Allerdings konnten diese sich nicht der Fotografie bedienen.) Trotzdem entwickelt jeder Künstler im Laufe der Zeit eine eigene Handschrift.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


4. Welche Werkzeuge und Materialien benötigt man für Scrimshaw-Gravuren?

Eigentlich benötigt man nicht viel: eine feine spitzige Stahlnadel, Farbe, vielleicht eine Lupe, und um die Oberfläche vorzubereiten, Schleifpapier, Stahlwolle, Poliermittel. Natürlich kann man auch hier Perfektionieren: Bandschleifer, Polieraufsatz für die Bohrmaschine, ein Stereomikroskop…und sicherlich hat so mancher Scrimshawkünstler selbstgebaute Hilfsmittel um große Flächen schneller mit Struktur versehen zu können.

Eva Halat Scrimshaw Werkzeuge und Farben

© Eva Halat
Arbeitsmaterialien: Ölfarben, Nadel, und Nadel in Druckbleistift, andere Version einer Nadel zum Scrimmen, Skalpell mit verschiedenen Klingen, ein Stück Polierpaste.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


5. Welche Materialien können beim Scrimshaw als “Leinwand” verwendet
werden?

Das klassische Material ist Elfenbein, allerdings wurde das weitgehend mit Mammutelfenbein, das sich genauso gut für Scrimshaw eignet, ersetzt. Auch Warzenschweinzähne, Walrosszähne, Geweih, Büffel- oder Kuhhorn, Knochen, oder die Elfenbeinnuss können verwendet werden. Bei Geweih und Knochen sollte man darauf achten, dass man nur dichtes Material ohne Poren verwendet, wobei Geweih nicht so spröde ist wie Knochen. Ein neuartiger Kunststoff-Elfenbeinersatz ist Elforyn, er eignet sich auch prima fürs Scrimmen. Weitere Kunststoffe sind Corian, Papiermicarta oder Ebonit.

Eva Halat Scrimshaw Materialien

© Eva Halat
Material von links nach rechts: Taguanuss, Corian, Rentiergeweih, Mammutelfenbein und Walroßzahn
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


6. Mit welchen und welcher Art Farben wird beim Scrimshaw gearbeitet?

Ich bevorzuge Ölfarbe, die ist besser zu kontrollieren als Tusche, aber jeder Scrimshawkünstler hat seine eigenen Vorlieben, was die Farben anbetrifft. Druckfarben kann man zum Beispiel auch verwenden.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


7. Wie geht man beim Scrimshaw detailiert vor?

Die zu bearbeitende Oberfläche wird spiegelglatt poliert, so dass keine Farbe drauf haften bleibt. Mit einer feinen spitzen Stahlnadel wird das Motiv in die Fläche oberflächlich fein „eingraviert“, mit feinsten Punkten oder Linien, danach reibt man Farbe darüber und wischt diese wieder ab. In den bearbeiteten Flächen bleibt die Farbe haften, von der unbearbeiteten Oberfläche wird alles wieder abgewischt. Im Prinzip wie eine Tiefdruckplatte, z. B. Radierung nur feiner. Bei der ganzen Arbeit wird unter einer Lupe oder einem Mikroskop gearbeitet.

Eva Halat Scrimshaw Vorgehen

© Eva Halat
1. Übertragen des Motives mit Pauspapier – 2. Die ersten feinen Konturlinien sind gescrimmt – 3. Das ausgearbeitete Motiv noch ohne Farbe – 4. Einreiben der Farbe – 5. Das fertige Motiv
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


8. Wie sollte man Messer mit einer Scrimshaw-Gravur pflegen?

Am besten ist gar keine Pflege. Vor Hautschweiß sollte man die Arbeiten schützen, so beispielsweise Anhänger aus Naturmaterial wie z. B. Mammutelfenbein nicht ständig Tag und Nacht tragen, sonst vergilbt das Material unschön und die Farbe wird schwächer. Messergriffe kann man schon anfassen und das Messer benutzen, wobei ein aufwändiges und teures Scrimshaw wohl eher in der Vitrine landet.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


9. Auf welche Gegenstände bzw. für welche Zwecke wird Scrimshaw noch eingesetzt?

Einsatzmöglichkeiten für Scrimshaw gibt es viele, so kann man überall dort, wo ein Inlay eingelegt werden kann, Scrimshawverzierungen anbringen. Natürlich auch auf Schmuck wie Anhänger, Armbänder, Gürtelschnallen, Boloties und auf Billardqueues, oder eben als reines Kunstobjekt, als Kunstwerk ohne Verbindung mit einem Gebrauchsgegenstand.

Eva Halat Scrimshaw Gegenstände

© Eva Halat
Schwarzes Scrimshaw mit weißen Schattierungen auf braunem Mammutelfenbein, ca. 17 cm breit.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


10. Wie kann man Scrimshaw von Drucken, Prägungen und Fälschungen unterscheiden?

Scrimshaw fühlt sich immer ein klein wenig unterschiedlich rau an, mit der Lupe sieht man die feinen Einstiche ins Material, und um Zahnmaterial von Kunststoff zu unterscheiden, nimmt man am einfachsten eine Nähnadel mit einer Zange, erhitzt die Nadel zum Glühen und versucht an einer „versteckten“ Stelle die glühende Nadel ins Material zu drücken, handelt es sich dabei um Kunststoff, so schmilzt sich die Nadel ins Material.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


11. Wie lange benötigt ein Künstler für ein Scrimshaw-Motiv auf einem Messergriff?

Die Dauer hängt natürlich vom Motiv, vom Stil des Künstlers und seiner Technik ab. Ich würde z. B. für ein Wolfsportrait ca. eine Tag ansetzen. Auch mit den Preisen ist das schwierig, denn auch die hängen von vielen Faktoren ab, wie z. B. Feinheit, Perfektion der Abbildung und Namen des Künstlers. Und natürlich ist es ein Unterschied, ob jemand Scrimshaw als Hobby macht oder derjenige davon seinen Lebensunterhalt bestreitet. Da muss man dann ganz anders kalkulierten.

Eva Halat Scrimshaw bei der Arbeit

© Eva Halat
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin


12. Welche Trends sehen Sie im Scrimshaw?

So richtige Trends sehe ich momentan keine. Viele arbeiten nach wie vor im traditionellen Stil, was die Motive und Verwendung der Arbeiten anbetrifft. Aber ab und zu gibt es doch Künstler, die sich der Scrimshawtechnik ganz unkonventionell bedienen, wie der eine amerikanische Künstler, der ausgediente Laptops oberflächlich mit Gravierungen in grober Scrimshawtechnik mit nautischen Motiven versieht oder die teuren Armbänder mit (wirklich groben) Scrimshawmotiven einer Modekünstlerin aus New York. Ich hoffe aber, dass sich der Trend fortsetzt mit Scrimshaw zu experimentieren, denn es handelt sich dabei ja um eine der ältesten Kunsttechniken, wenn man daran denkt, dass schon in grauer Vorzeit Gegenstände aus Knochen oder Horn mit einfachen Ritzmustern oder mit schamanische Motiven versehen wurden. Es wäre schön, wenn sich die Scrimshawtechnik einen Platz auch in der „freien“ Kunstwelt erobern würde.
Eva Halat – Scrimshaw-Künstlerin






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