Fahrtenmesser

Johannes Heisel

Experte
Johannes Heisel

  • Deutscher Messermacher
    logo

Ob im Wald, beim Camping oder allein beim Ausflug in den eigenen Garten ist das Fahrtenmesser ein vielseitig einsetzbares Werkzeug. Besonders Pfadfinder schätzen das Fahrtenmesser als platzsparenden Dosenöffner, Not-Schraubenzieher oder zum Schnitzen von allerlei nützlichen Gegenständen, wie beispielsweise Zeltheringen. Bei der Jagd oder beim Angeln ist das Fahrtenmesser ein ebenso zuverlässiger Begleiter wie bei kleineren Reparaturen und Bastelarbeiten. Dieses Messer erfreut sich aufgrund seiner universalen Funktion also nicht nur bei Abenteurern und Outdoorfreunden größter Beliebtheit, sondern erfüllt auch im Alltag oder bei Sporttouren praktische Dienste. Dabei ist zu beachten, dass Unterschiede im Verwendungszweck auch besondere Merkmale beim Fahrtenmesser voraussetzen. Der Messermacher Johannes Heisel erklärt uns im folgenden Artikel alles, was man über Fahrtenmesser und deren Eigenschaften wissen muss. Hier finden Experten oder Neulinge neben Informationen zu Aussehen, Materialbeschaffenheit und Kosten des Fahrtenmessers auch ganz praktische Tipps zum Schärfen und zur Pflege der Messer. Viel Spaß beim Lesen.


2. Welche Aufgaben sollte ein Fahrtenmesser erfüllen können?3. Welche Eigenschaften sollte ein gutes Fahrtenmesser haben?
5. Welche Art von Messern wird als Fahrtenmesser eingesetzt?6. Welche Klingenform ist für ein Fahrtenmesser optimal?
8. Welches Klingenmaterial ist für ein Fahrtenmesser besonders gut geeignet?9. Wie lang sollte in etwa die Klinge eines Fahrtenmesser sein?
11. Welche Art der Scheide ist bei einem Fahrtenmesser aus Ihrer Sicht zu empfehlen?12. Wie wichtig sind Zusatztools in Verbindung mit einem Fahrtenmesser?
14. Wie sollte ein Fahrtenmesser gepflegt werden?15. Wie schärft man ein Fahrtenmesser? Welche Methoden gibt es? Wie geht man vor?
17. Wieviel sollte man in etwa für ein Fahrtenmesser investieren? Welche Preiskategorien gibt es?






Werbung

1. Woher stammt die Bezeichnung “Fahrtenmesser”?

Der Begriff “Fahrt” stammt aus den Anfangszeiten der Pfadfinderbewegung und der bündischen Jugend im Deutschland der 1920er Jahre. Bezeichnet wird hier eine mehrere Tage bis Wochen dauernde Tour, meist zu Fuß durch die Wildnis oder ein fremdes Land, bei der man sich einer bewusst einfachen und stilechten Ausrüstung bedient. Ziel ist es seine erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Anwendung zu bringen und als (Jugend-) Gruppe zusammenzuwachsen. Ein wichtiges Ausrüstungsteil ist dabei ein Messer. Der Begriff Fahrtenmesser bedeutet also schlicht und einfach: Ein Messer für die Fahrt.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


2. Welche Aufgaben sollte ein Fahrtenmesser erfüllen können?

Das Fahrtenmesser muss nicht nur die klassischen Aufgaben eines Messers, beispielsweise beim Kochen oder der Jagd erfüllen, es dient auch als universelles Werkzeug, etwa zum Anfertigen von Zeltheringen aus Holz oder bei notwendigen Reparaturen. Im Falle eines Falles muss es aber auch für zweckfremde Dinge herhalten können, wenn es zum Beispiel gilt eine Konservendose zu öffnen. Nicht zuletzt ist es aber auch ein repräsentativer Teil der persönlichen Ausrüstung. Je geschickter der Träger im Umgang mit dem Messer ist, desto vielseitiger werden die Aufgaben, die es erfüllen kann.

fahrtenmesser dose

© Johannes Heisel
Das Öffnen einer Konserve mit einem Fahrtenmesser.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


3. Welche Eigenschaften sollte ein gutes Fahrtenmesser haben?

Ein Fahrtenmesser sollte robust aber nicht zu schwer sein. Es muss ausreichend groß, darf aber auch nicht unhandlich sein. Eine stabile Messerscheide zur sicheren Aufbewahrung verdient ebenfalls einige Beachtung. Der Griff muss von der Hand des Trägers jederzeit sicher gehandhabt werden können. Hier spielt die Größe der Hand und die Länge der Finger eine große Rolle für die Wahl des richtigen Messers. Die Klinge sollte einschneidig, nicht zu schmal und nicht zu spitz sein. Eine Daumenauflage am Klingenrücken kann das Handling verbessern.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


4. Wie ist ein Fahrtenmesser grundlegend aufgebaut?

Als Fahrtenmesser sollte man ein feststehendes Messer wählen. Diese sind konstruktionsbedingt stabiler als Klappmesser. Sie lassen sich auch deutlich leichter reinigen. Mitunter kann es ganz schön schwierig werden, die Marmelade aus der feingliedrigen Mechanik eines Klappmessers wieder heraus zu bekommen. Das Öffnen und Schließen eines Klappmessers birgt auch Verletzungsgefahren, die beim Wegstecken in eine Messerscheide nicht vorkommen.

fahrtenmesser aufbau

© Johannes Heisel
Messer in Steckangel- und Vollintegralbauweise.

Ob man eine Steckangelkonstruktion oder ein Messer in Vollintegralbauweise bevorzugen sollte, lässt sich nicht grundsätzlich sagen. Beide Varianten bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Ein Steckangelmesser ist in der Regel leichter, der ?riff ist meist weniger stark abgeflacht und liegt dadurch vor allem bei längerer Benutzung besser in der Hand. Ein Vollintegral, oder Flacherl, ist bei extremer Belastung, besonders beim Hebeln (was aber kein Messer wirklich gut verträgt) noch stabiler. Ein solches Messer kann sehr flach sein und steht dadurch besonders, wenn es am Gürtel getragen wird, weniger weit vom Körper ab.

Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


5. Welche Art von Messern wird als Fahrtenmesser eingesetzt?

Sucht man in der Masse der Messerkataloge und Hersteller nach einem Fahrtenmesser, wird man wohl am ehesten in der Kategorie Jagdmesser fündig. Messer skandinavischer Hersteller, die auch als Waldmesser bezeichnet werden, sind für den Gebrauch als Fahrtenmesser in der Regel ebenfalls gut geeignet. Wichtig ist sich kein Messer zuzulegen, das für irgendeine spezielle Aufgabe optimiert ist, wie etwa Nicker, Skinner oder Filetiermesser. Das Fahrtenmesser soll ja sozusagen die eierlegende Wollmilchsau unter den Messern sein. Das Schweizer Offiziersmesser oder die sog. Multitools haben sicher ihre Stärken. Ich habe auch immer eins in meinem Rucksack, allerdings nutze ich die eigentliche Messerklinge von allen Funktionen dabei am wenigsten. Sie eigenen sich auch meist nur für leichte und feine Arbeiten. Das Opinel ist ein hervorragender Ersatz für das heimische Schäl- und Küchenmesser. Die Klappmechanik bedarf aber einiger Pflege. Die größeren Modelle können auch schon mal zum Schnitzen herhalten. Besonders die Klingen aus rostendem Stahl lassen sich mit einfachen Mitteln wieder nachschärfen und haben eine recht gute Schnitthaltigkeit. Die recht weit verbreiteten und sehr günstigen Takelmesser geben von der Klingenform her grundsätzlich brauchbare Fahrtenmesser ab. Leider ist die Qualität nicht besonders gut. Der Griff ist recht unhandlich und es gibt keinen Fingerschutz. Bei dem sogenannten “Pfadfindermesser” handelt es sich um ein Messer, das ursprünglich als “Fahrtenmesser der Hitlerjugend” im dritten Reich massenhaft produziert worden ist. Nach dem Krieg wurde es dann von den ursprünglichen Herstellern als Pfadfindermesser weiter produziert und statt mit dem Emblem der HJ mit einer Pfadfinderlilie versehen. Die Qualität lässt auch hier zu wünschen übrig. Die Klinge wird schnell stumpf, die Metallscheide ist auch nicht besonders praktisch, besonders weil sich die Schneide daran immer wieder abarbeitet. Zu guter letzt hält der Griff einer größeren Belastung nicht stand und zerfällt schon mal in seine (vielen) Einzelteile.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


6. Welche Klingenform ist für ein Fahrtenmesser optimal?

Ich halte Klingen in Normalform oder als Drop-Point Klingen für am Besten geeignet. Klingen in Spear- oder Clip-Point-Ausführung eigenen sich ebenfalls gut, sehen aber deutlich aggressiver aus, was nicht immer hilfreich ist, wenn es darum geht darzulegen, dass man das Messer nur als Outdoorwerkzeug mit sich führt. Wichtig ist, dass die Klinge nicht zu dick ist und man auch Druck auf den Klingenrücken ausüben kann (einschneidig). Eine gerade Schneide erleichtert die Schnittführung, wie z. B. in einen Laib Brot. Eine spitze und nicht zu schmale Klinge (> 2,5 cm), sind ebenfalls wichtig um vernünftig arbeiten zu können. Ein Wellenschliff ist eher hinderlich und nur für spezielle Anwendungen sinnvoll – eine glatte aber scharfe Schneide zerteilt auch alles und lässt sich einfacher wiederherstellen.

fahrtenmesser klingenform

© Johannes Heisel
3 Fahrtenmessern mit Clip-Point (oben), Drop-Point (mitte) und der Normalform (unten) der Klinge.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


7. Welche Schliff-Variante haben Fahrtenmesser üblicherweise?

Üblich und am Besten geeignet ist der Flachschliff von beiden Seiten der Klinge. Er verbindet Stabilität, Schärfe und Vielseitigkeit. Er ist auch am leichtesten zu erzeugen.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


8. Welches Klingenmaterial ist für ein Fahrtenmesser besonders gut geeignet?

Anders als bei manchen Kochmessern ist Flexibilität eine Eingenschaft, die bei einem Fahrtenmesser eher unerwünscht ist. Ist man lange unterwegs und benutzt das Messer viel, sollte die Klinge entweder lange scharf bleiben oder sich mit den Mitteln, die einem unterwegs zur Verfügung stehen, leicht schärfen lassen. Genau hier liegt das Problem. Klingenstähle, die mit besonders hoher Verschleißfestigkeit daher kommen, sind auch entsprechend schwer wieder zu schärfen. Steht einem zu Hause das moderne Schärfset zur Verfügung, ist das kein Problem – aber unterwegs? Hier kommt es dann sehr auf den Anwender an. Wer sein Messer nur dazu verwendet Lebensmittel zu schneiden oder hin und wieder mal Holz bearbeitet, der kann getrost einen modernen High-Tech-Stahl verwenden. Geschärft wird dann zu Hause. Geht man gerne grob zu Werke und macht auch schon mal eine Konserve mit dem Messer auf, ist man mit einem klassischen Kohlenstoffstahl sicher besser beraten. Hier genügt ein einfacher Schärfstein und etwas Geschick und alle Sünden sind vergessen. Hier noch ein Tipp: Für die Standzeit der Schneide kommt es nicht nur auf das Material sondern auch auf den Schärfwinkel an. Häufig werden Messer sehr dünn ausgeschliffen weil sie sich dann schärfer anfühlen oder man sich damit gar rasieren kann. Eine derart dünn ausgeschliffene Schneide ist aber auch viel empfindlicher, als eine etwas dickere, die mit einem entsprechend steileren Winkel beim Schärfen erzeugt wird. Schneiden kann man sich sogar an einer 90 Grad Ecke, wenn sie präzise gearbeitet ist! Das Optimum liegt, wie so oft in der Mitte, irgendwo zwischen Spaltaxt und Rasierklinge.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


9. Wie lang sollte in etwa die Klinge eines Fahrtenmesser sein?

Die Klinge sollte mindestens so lang sein, dass man ein Brötchen, einen Apfel oder eine Kartoffel in einem Zug durchschneiden kann, also etwa 9cm. Länger als 12 oder 13 cm sollte sie nicht sein, da das Messer dann schnell unhandlich wird. Über die Regelungen des Waffengesetzes sollte man sich informieren. Sie stellen in Deutschland für alle Pfadfinder, die ihre Kluft (Uniform) tragen in der Regel kein Problem dar, da sie von einer Ausnahmeregelung profitieren (Brauchtum). Im Ausland gelten häufig deutlich strengere Regelungen. Hier spielt nicht nur die Klingenlänge eine Rolle. Es empfiehlt sich daher 12 cm nicht zu überschreiten und das Messer dort, wo man es nicht wirklich braucht, wie zum Beispiel in der Stadt oder am Bahnhof grundsätzlich im Rucksack zu verstauen.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


10. Welche Griffmaterialien kommen bei Fahrtenmessern zum Einsatz?

Die Vielfalt an Griffmaterialen ist sehr, sehr groß. Hier ist vieles möglich. Grundsätzlich sollte man sich kein unnötiges Gewicht durch zu viel Metall aufhalsen. Erlaubt ist was gefällt und nicht so rau ist, dass es Schwielen an den Händen gibt. Wer gerne mal Dinge verlegt, ist mit bunten Farben oder gar floureszierenden Einlagen gut beraten. Ich habe noch kein Messer “verbraucht”, ich habe sie höchstens verloren.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


11. Welche Art der Scheide ist bei einem Fahrtenmesser aus Ihrer Sicht zu empfehlen?

Eine Messerscheide zur sicheren und zugleich praktischen Unterbringung des Messers ist absolut unerlässlich. Ob diese aus Leder oder einem Kunststoff gefertigt ist, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass man sich überlegt, wo das Messer getragen werden soll. Insbesondere wenn man noch einen Rucksack mit Hüftgurt tragen möchte, sollte die Gürtelschlaufe so lang sein, dass das Messer unter dem Hüftgurt hängt. Alternativ kann man das Messer auch direkt am Tragesystem des Rucksacks befestigen. Auch hier muss die Schlaufe auf die Riemen passen. Herausnahme und Wegstecken des Messers sollten sich einhändig erledigen lassen. Linkshänder haben es besonders schwer. Eigentlich müssten sie das Messer auf der linken Körperseite tragen, um es aus der Scheide ziehen und wieder wegstecken zu können, ohne das Messer anschließend noch zu drehen oder sich die Hülle aufzuschneiden. Da die Gürtelschlaufen aber in der Regel nur ein rechtsseitiges Tragen erlauben ist Improvisationstalent gefragt.

fahrtenmesser mit scheide

© Johannes Heisel
Hier ist ein Fahrtenmesser mit Scheide zu sehen.

Das Messer sollte so fest in der Hülle sitzen, dass es nicht aus Versehen herausfallen kann. Auch dann nicht, wenn man klettert, rennt, oder schwimmt. Ob dies durch eine entsprechend passgenaue Köcherscheide oder einen Überwurf realisiert wird ist prinzipell egal. Es ist aber konstruktionsbedingt nicht immer beides möglich. Hat das Messer ein größeres Parrier ist ein Überwurf von nöten. Dieser sollte dann so positioniert sein, dass sich das Messer in geschlossenem Zustand nicht weiter als bis zum Ende der Fehlschärfe herausziehen lasst. Tipp: Eine Köcherscheide die mit der Zeit ausgeleiert ist, lässt sich mit einem Streifen dünnem Leders und etwas Pattex leicht wieder verengen.

Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


12. Wie wichtig sind Zusatztools in Verbindung mit einem Fahrtenmesser?

Was man davon wirklich braucht, hängt stark von den Fähigkeiten des Anwenders ab. Dinge, die ich im Ernstfall nicht benutzen kann oder will, brauche ich auch nicht mitzunehmen. Ich bin ein großer Fan von solchen “Survivalkits, All-Zeit-Bereit-Päckchen bzw. Überlebensgürteln” oder wie auch immer man dazu auch sagen möchte. Man sollte es sich aber immer selbst nach eigenen Bedürfnissen zusammenstellen, dann stimmt auch die Qualität der einzelnen Artikel. Das Messer ist dabei ein fester Bestandteil. Warum man diese Dinge dann ausgerechnet in einem engen, unübersichtlichen und schwer zu öffnenden Messergriff verstauen sollte habe ich nie verstanden. Viel cleverer ist z. B. eine kleine Tasche am Gürtel.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


13. Wie sähe das ultimative Fahrtenmesser aus? In Stichworten.

  • Insgesamt leicht, stabil und optisch schlicht.
  • Spitzerlklinge, Länge 11cm aus Kohlenstoffstahl (AoGami), 3 cm breit, Rückenstärke 3,5 mm.
  • Grifflänge für meine Hände 12 cm mit kleinem Parrier, europäisches Maserholz.
  • Gürtelscheide aus Leder, die sich mit einer Hand bedienen lässt.
  • Fangriemenöse und Fangriemen.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


14. Wie sollte ein Fahrtenmesser gepflegt werden?

Der Pflegeaufwand hängt stark vom Klingenstahl ab (rostend oder nicht-rostend). Ein Tropfen Öl von Zeit zur Zeit, ist bei rostenden Klingen Pflicht. Das Messer sollte stets ordentlich geschärft sein. Man sollte aber ein Lebensmittel-geeignetes Öl nehmen, das nicht verharzt. Auch die Messerscheide sollte man sich hin und wieder ansehen. Halten die Nähte und Knöpfe alle noch? Ist das Leder spröde geworden? Hier leistet Schuhwachs gute Dienste.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


15. Wie schärft man ein Fahrtenmesser? Welche Methoden gibt es? Wie geht man vor?

Am Besten schärft man mit einem Schärfstein-Set, das verschieden grobe Steine und eine Führung beinhaltet, in die das Messer eingespannt werden kann und es so ermöglicht, einen gleichmäßigen Schärfwinkel einzuhalten. Unterwegs muss man aber in der Regel ohne diese Hilfe auskommen. Hier genügt ein einfacher Schärfstein mit rechteckigem Querschnitt. Mit etwas Übung lässt sich damit auch unterwegs so manche stumpfe Schneide wieder herstellen. Alle Schärfsteine sollten je nach Stein mit Öl oder Wasser verwendet werden. Nur so bildet sich aus dem Abrieb eine schöne “Schleifpaste”. Wenn man entweder den Stein oder das Messer auf einer festen Unterlage ablegen kann, ist es sehr viel einfacher einen gleichmäßigen Winkel beim Schärfen einzuhalten.

fahrtenmesser schaerfen

© Johannes Heisel
Das Schärfen eines Fahrtenmessers.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


16. Ab wann dürfen Kinder bei den Pfadfindern ein eigenes Fahrtenmesser führen?

In meinem Pfadfinderstamm handhaben wir das in der Regel so, dass erst dann Messer getragen werden dürfen, wenn die Träger dem jeweiligen Gruppenleiter in der Praxis gezeigt haben, dass sie auch verantwortungsbewusst handeln, insbesondere im Umgang mit Werkzeugen. Für den Gebrauch von Messern gibt es auch einige einfache Regeln die jeder verinnerlicht haben muss, um Unfälle zu vermeiden. Daran muss sich jeder halten. Fällt jemand durch unsachgemäßen Umgang mit seinem Messer auf, wird ihm dieses nötigenfalls auch wieder abgenommen. Zu den wichtigsten Regeln zählt, dass man das Messer nie ungesichert herumliegen lässt, dass man es beim Laufen von einem Ort zum anderen in die Messerscheide steckt und nicht offen in der Hand hält. Ferner trägt der Benutzer eines Messers stets dafür Sorge, dass sich niemand in der Reichweite seiner Klinge befindet, wenn er damit arbeitet. Die Größe des Messers orientiert sich immer an der Arbeit, die damit erledigt werden soll. Gefährlich ist es immer, zu grobe Arbeit mit zu kleinem Werkzeug und zu feine Arbeit mit zu grobem Werkzeug zu verrichten. Es ist also nicht das Messer für das Kind zu groß, sondern die Aufgabe, die es damit erledigen möchte.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher


17. Wieviel sollte man in etwa für ein Fahrtenmesser investieren? Welche Preiskategorien gibt es?

Man kann durchaus schon für 40 bis 60 Euro ein ordentliches Fahrtenmesser bekommen. Dabei sollte man aber besonders auch die Qualität der Messerscheide im Auge haben, da diese bei preiswerten Messern oft noch deutlich hinter der des Messers zurücksteht. Die breiteste Auswahl findet sich sicher in der Kategorie zwischen 100 und 200 Euro. Hier stimmen Preis und Leistung in der Regel. Alles was noch teurer ist, bietet vor allem optische und repräsentative Mehrwerte. Wie wichtig diese sind, liegt vor allem an der persönlichen Einstellung des Käufers. Man sollte sich aber stets vor Augen halten, dass man ein solches Messer durchaus mal verlieren oder ruinieren kann, egal ob es 50 oder 500 Euro gekostet hat. Wenn es aber ewig in der Schublade liegt, weil es ja so ein edles Stück ist, wird es zwar uralt, aber wirklich genutzt hat man es dann nicht.
Johannes Heisel − Deutscher Messermacher






Werbung