Jagdmesser

Hans Martin Lösch

Dipl.-Ing. agr., M. Sc. Agric.
Hans Martin Lösch

  • Inhaber der
    loesch
  • Jagdschein seit 1997

Das Jagmesser gehört zu den klassischen Outdoor-Werkzeugen. Schon seit Uhrzeiten benötigt der Mensch einen geeigneten Schneidegegenstand, um die erlegte Beute in handliche Einzelteile zu zerlegen. Heutzutage gibt es für diesen Zweck viele verschiedene Jagdmessertypen, manchmal auch veraltete Formen, da ihre allzu spezifischen Einsatzzwecke meist nicht mehr gegeben sind und sie lediglich als Schmuckstück getragen werden. Daher sind es vor allem die alltagstauglichen Gebrauchsmesser, die bei der Jagd zum Einsatz kommen. Je nach gewünschter Funktion sollte man allerdings genau über die Vor- und Nachteile von Klappmessern oder feststehenden Messern, Jagdnicker oder Schlosssäge informiert sein, damit einem in Aktion keine unerwünschten Eigenschaften überraschen. Hans Martin Lösch, Inhaber der Jagdschule Gut Grambow, erklärt uns im Interview Wissenswertes über die Beschaffenheit eines Jagmessers, besondere Schwachstellen und welche Messerformen sich am besten eignen. Viel Spaß beim Lesen!


2. Welche Aufgaben sollte ein Jagdmesser erfüllen können?3. Welcher grundlgende Aufbau ist für ein Jagdmesser am Besten geeignet?
5. Welche Klingenform hat ein typisches Jagdmesser?6. Welches Klingenmaterial ist für ein Jagdmesser besonders geeignet?
8. Wie lang sollte in etwa die Klinge eines Jagdmesser sein?9. Welche Griffmaterialien kommen bei Jagdmessern zum Einsatz?
11. Wie sollte ein Jagdmesser gepflegt werden?12. Wie schärft man Jagdmesser? Welche Methoden gibt es?
14. Welches Jagdmesser können Sie einem an der Jagd Interessiertem oder einem Jungjäger empfehlen?






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1. Welche Eigenschaften sollte ein gutes Jagdmesser erfüllen?

Ein Jagdmesser sollte handlich, stabil und schnitthaltig sein. Dabei kann man zwischen Schmuckmessern und Gebrauchsmessern unterscheiden. Zu den Schmuckmessern zähle ich z.B. die klassischen Jagdnicker mit Hirschhorngriff, zu den Gebrauchsmessern die einfachen Alltagsmesser mit Kunststoffgriff, am besten in Orange. Gut ist eine zusätzliche Aufbrechklinge. Eine Schlosssäge kann man lieber extra kaufen. Die in Messern integrierten taugen in der Regel nichts.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


2. Welche Aufgaben sollte ein Jagdmesser erfüllen können?

In erster Linie benötigt der Jäger das Messer zum Aufbrechen und Zerlegen von Wild. Alle anderen Zwecke liegen mehr im Ausland dann im Survivalbereich. Flaschenöffner, Dosenöffner, Kompass und ähnlicher Schnickschnack sind nett, aber überflüssig.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


3. Welcher grundlgende Aufbau ist für ein Jagdmesser am Besten geeignet?

Klappmesser sind leichter zu verstauen und haben eine Vielzahl von Funktionen (z.B. das Schweizer Armeemesser in Jagdausführung). Der Nachteil ist die zumeist begrenzte Klingenlänge, die beim Aufbrechen von Sauen, Rot- und Damwild an die Grenzen kommt sowie die Verschmutzung, die man nur schwer aus den bauartbedingten Ritzen entfernen kann. Das ist unter hygienischen Gesichtspunkten bedenklich. Außerdem kann ein Klappmesser unter ungünstigen Bedingungen auch zusammenklappen und dies wäre eher schlecht für die Finger.
Feststehende Messer haben wenig Funktionen und in der Regel keine Aufbrechklinge. Außerdem muss das Messer entweder am Gürtel transportiert werden, kann also auch mal verloren gehen im Gestrüpp oder es bleibt im Rucksack, den man dann gerne mal im Auto gelassen hat, wenn man das Messer braucht. Ideal ist hier das EKA Swing Blade. Es verbindet die guten Eigenschaften des feststehenden Messers mit denen des Klappmessers. Durch einen einfachen Knopfdruck kann man von Messerklinge zu Aufbrechklinge wechseln.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


4. Welche verschiedenen Jagdmesser Typen gibt es und wozu dienen sie?

Jagdmessertypen gibt es unzählige. Viele Formen sind veraltet, da die Einsatzzwecke nicht mehr gegeben sind. So sind z.B. der klassische Hirschfänger oder auch das Waidblatt, bzw. Waidbesteck (also ein Waidblatt mit Nicker kombiniert an einer Scheide) heute eher folkloristische Schmuckstücke. Keiner schlägt heute noch die Trophäe mit dem Waidblatt ab und der Fangstich mit dem Hirschfänger ist auch seit Ganghofer nicht mehr aktuell. Ebenso verhält es sich mit dem klassischen Jagdnicker. Sehr schick in der Lederhose auf der Wiesn (falls es die Security erlaubt) und auch als Brieföffner auf dem Schreibtisch toll, aber wer schon mal versucht hat ein Reh abzukicken, also den winzigen Durchlass zwischen Atlas und Wirbelsäule sicher zu treffen und das Reh so in Sekundenschnelle zu erlösen weiß, dass dies graue Theorie ist, bzw. sehr viel Entschlossenheit und Präzision erfordert.

Jagdmesser

© motivjaegerin1 – Fotolia.com
Ein klassisches Jagdmesser in Kombination mit einer Flinte.

Tierschutzgerechter und sicherer ist der Kälberfang bzw. ein Stich mit der breiten Klinge in Lunge und Herz. Häutemesser und spezielle Aufbrechklingen in den abenteuerlichsten Ausführungen sieht man auf den Jagdmessen immer wieder und alle sollen toll sein. Mir fehlt hier aber die praktische Erfahrung, ich helfe mir da mit dem EKA Swing Blade und/oder den günstigen Fleischereimessern in der Wildkammer.

Hans Martin Lösch − Jagdexperte


5. Welche Klingenform hat ein typisches Jagdmesser?

Unerreicht gut und einfach zu schärfen sind Drop Point Klingen. Die Spitze des Messers sollte nicht allzu spitz sein, dann hält es länger. Gut ist es, wenn der Messerrücken zur Spitze hin abfällt, sodass beim Aufbrechen der Zeigefinger die Klinge vom Pansen abhalten kann.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


6. Welches Klingenmaterial ist für ein Jagdmesser besonders geeignet?

Der 440 C Stahl ist beispielsweise ein guter Kompromiss aus Schnitthaltigkeit und guter Möglichkeit zum eigenen Nachschärfen, auch ohne spezielle Technik.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


7. Was ist zu Damast-Jagdmesser zu sagen?

Sehr hübsch, sehr schnitthaltig und scharf. Teilweise aber sehr rostanfällig und damit eher ein Liebhabermesser, als ein Gebrauchsmesser. Jeder Jäger sollte mindestens eines haben, damit das Handwerk nicht ausstirbt und man sich daran erfreuen kann.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


8. Wie lang sollte in etwa die Klinge eines Jagdmesser sein?

Rund 12 cm bis maximal 15 cm Klingenlänge reicht für die meisten Einsatzzwecke aus. Alles darüber sind Messer für Hundeführer und den Spezialeinsatz. Unter 12 cm Klingenlänge geht es für Rehwild und Allzweckeinsatz. Das gute alte Taschenmesser mit 6cm Klingenlänge kann mehr als man denkt, wenn man nichts anderes greifbar hat. Bei Flugreisen ist es egal, wie lang die Klinge ist, denn das Messer gehört eh nicht in das Handgepäck.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


9. Welche Griffmaterialien kommen bei Jagdmessern zum Einsatz?

Klassisch ist der Hirschhorngriff. Er sieht gut aus und liegt gut in der Hand. Ein Standardwerkzeug für den Jäger. Kunststoffgriffe sind pflegeleicht, griffig und praktisch. Farbige Messer findet man auch erheblich besser wieder im Laub und in der Dunkelheit. Ein Muss für ein Gebrauchsmesser. Alle anderen Materialien, wie Holz, Elfenbein, Knochen, etc. gehören für mich in den Bereich der Schmuck- und Sammlermesser.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


10. Wie sähe das ultimative Jagdmesser aus? In Stichworten.

  • Orangefarbener, rutschfester Kunststoffgriff
  • Feststehende 12cm lange Klinge
  • Drop Point Klinge
  • Aufbrechklinge integriert
  • Leicht zu reinigende Kunstfaserscheide
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


11. Wie sollte ein Jagdmesser gepflegt werden?

Je nach Klingenmaterial und Griffmaterial. Die Metallteile sollten immer abgetrocknet werden. Die Klinge sollte immer scharf gehalten werden. Ansonsten leicht einölen, wenn es länger gelagert wird. Holz- und Beingriffe dürfen nicht austrocknen, sonst bekommen sie Risse. Bei Klappmessern sollte der Mechanismus immer leicht geölt sein, damit nichts festgammelt.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


12. Wie schärft man Jagdmesser? Welche Methoden gibt es?

Ich nutze einfach das RWS Schnellschärftool mit einfacher Schäreinheit und Keramikabzugseinrichtung. Passt gut in den Jagdrucksack und ist auch für einfache Gemüter fehlerfrei zu bedienen. Für Profis und solche, die es sein wollen, ist sicher das Lansky Schärfset nicht übel. Mir fehlt dafür die Zeit. In Härtefällen gebe ich es zu einem Mitglied der Deutschen Messermachergilde in die Wartung.
Hans Martin Lösch − Jagdexperte


13. Was sind im Allgemeinen typische Schwachstellen eines Jagdmessers?

1. Die Spitze:
Sie sollte stabil sein, sonst wird das Messer schnell ungewollt kürzer.

2. Die Scheide:
Ist sie zu locker ist das Messer schnell futsch, ist sie zu eng, säbelt das scharfe Messer gern die Nähte durch und dann ist das Messer nebst Scheide futsch.

3. Der Feststellmechanismus:
Und wenn der versagt, kann es die Finger kosten.

Hans Martin Lösch − Jagdexperte


14. Welches Jagdmesser können Sie einem an der Jagd Interessiertem oder einem Jungjäger empfehlen?

Für den harten Einsatz ist das EKA Swing Blade (z.B. über www.gutgrambow-fieldsports.de zu beziehen) alternativlos. Für den Fan der klassischen Messer wird jeder im PUMA Sortiment etwas finden, was zu ihm passt.

Hans Martin Lösch − Jagdexperte






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