Trachtenmesser

Armin Gasser

Experte
Armin Gasser

  • Südtiroler Messermacher
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  • Sieger in der Kategorie “Altes Hand-werk” des Handwerkspreises “NOVA”

Auch wenn Trachtenmesser heutzutage kaum noch für ihren eigentlichen Verwendungszweck in Gebrauch genommen werden, sind sie dennoch äußerst beliebt als Schmuckstück der alpenländlichen Volkstracht. Als nützliches Schneidewerkzeug ist das Trachtenmesser bei einer zünftigen Brotzeit aber auch heute immer noch ein Hingucker. Die aufwendigen Verziehrungen der Trachtenmesser sind auf eine lange Tradition zurückzuführen. Nicht selten orientiert sich die Gestaltung der Trachtenmesser an einer christlichen Symbolik und gilt neben Hut und Bachgurt als Statussymbol. In Bayern und Österreich werden Trachtenmesser gern zu Hochzeiten oder Taufen verschenkt. Armin Gasser, selbst Messermacher, stellt uns das Trachtenmesser einmal genauer vor und erklärt uns, was es mit der Herkunft und Verwendung auf sich hat und welche Eigenschaften diese spezielle Messerart auch in der Gegenwart zu einem beliebten Gebrauchsgegenstand machen. Viel Spaß beim Lesen.


2. Welche Aufgaben hat ein Trachtenmesser in der heutigen Zeit?3. Wie und zu welchen Anlässen trägt man ein Trachtenmesser?
5. Welches Klingenmaterial ist für ein Trachtenmesser besonders gut geeignet und warum?6. Welche Klingenlänge ist für eines Trachtenmessers ideal?
8. Welche Griffmaterialien kommen bei Trachtenmessern zum Einsatz? Welche Form der Verzierungen sind typisch?9. Welche Art der Scheide wird in Verbindung mit einem Trachtenmesser getragen?
11. Wie schärft man ein Trachtenmesser? Welche Methoden gibt es?12. Was sind im Allgemeinen typische Schwachstellen eines Trachtenmessers?
14. Wie sähe das ultimative Trachtenmesser aus? In Stichworten.






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Trachtenmesser sind Messer, die zur Tracht getragen werden. Die Tracht ist dabei nichts anderes als das historische Gewand verschiedener Kulturen. So gibt es beispielsweise auch in Norwegen eine Tracht und ein entsprechendes Trachtenmesser, hier soll jedoch das Trachtenmesser der Alpenländlichen Volkstracht im Mittelpunkt stehen, das man in der Lederhose trägt. Es gibt zum Einen Trachtenmesser, die auch als “Nicker” oder “Hornmesser” bekannt sind. Diese sind in unzähligen Ausführungen in jedem Handel erhältlich. In der Regel haben sie eine spitze Klinge und einen Griff aus Hirschhorn. Auf der Zwinge und Abschlusskappe des Griffes sind meist Motive aus der Jagd (z. B. Eichenlaub) zu sehen. Diese Trachtenmesser sind eigentlich zum Abnicken des Wildes gedacht. Sie eignen sich aber auch sehr gut als Brotzeitmesser und passen gut in jede Lederhose. Diese Messer sind hauptsächlich in Bayern sehr beliebt. Darüber hinaus gibt es Trachtenmesser und Bestecke, die auch als sogenannte Fuhrmannsbestecke und -messer bekannt sind. Diese sollen im Folgenden einmal näher betrachtet werden.


1. Woher stammt das Trachtenmesser?

Es ist seit jeher bekannt, dass Messer mit sich geführt worden sind, sowohl als Waffe, Werkzeug und Statussymbol. Das Messer zählte im Mittelalter bis früh in die Neuzeit hinein zum persönlichen Besitz eines Menschen und durfte daher nicht gepfändet werden. Somit hatte fast jeder sein persönliches Messer. Auch in Gasthäusern kam das Messer zum Einsatz, da man nicht immer damit rechnen konnte, ein Messer zur Verfügung gestellt zu bekommen. Kurz gesagt, alle Fuhrleute, Händler oder Reisende brauchten ihr persönliches Messer hauptsächlich zum Zerkleinern der Speisen.

Trachtenmesser – Speck schneiden

© Armin Gasser
Ein traditionelles Trachtenmesser beim Schneiden von Schinken-Speck.

Eine bedeutende Handelsstraße und Reiseroute über die Alpen von Norden nach Süden (ca. um das Jahr 1800) war die Strecke durch das Inntal nach Innsbruck, weiter durch das Wipptal über den Brenner nach Sterzing und weiter über das Eisacktal, Pustertal bis nach Venedig. Oder über den Reschenpass und durchs Vinschgau nach Meran und weiter nach Bozen und dann gen Süden. Zwei belegte Herstellungsorte von Messern an diesen Strecken waren Sterzing und das Sarntal. Neben dem Messer wurde auch häufig eine zweizackige Gabel und ein Pfriem passend dazugefertigt. Messer und Gabel wurden somit zum Esswerkzeug und immer mitgeführt. Weitere bekannte Herstellungsorte von Fuhrmannsbestecken waren Wien, Steyr, St. Pölten, Wels und Waidhofen. Es ist aber nicht genau nachvollziehbar, wo der genaue Ursprung dieser Messer und Bestecke liegt. Die kostbar gestalteten Messer und Bestecke wurden zu bestimmten Anlässen, wie Taufe oder Hochzeit, verschenkt.

Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


2. Welche Aufgaben hat ein Trachtenmesser in der heutigen Zeit?

Trachtenmesser werden heutzutage kaum noch beim Essen verwendet, da die Teller aus Keramik und nicht wie zur damaligen Zeit aus Holz sind. Zum Aufschneiden von Wurst, Brot oder Schinkenspeck zur Brotzeit, ist es aber nach wie vor sehr gut geeignet. Trachtenmesser oder Fuhrmannsbestecke sind dabei mehr Trachtenschmuck als Gebrauchsgegenstand und sind neben dem Hut oder Bauchgurt wichtiger Bestandteil der alpenländlichen Volkstracht.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


3. Wie und zu welchen Anlässen trägt man ein Trachtenmesser?

Trachtenmesser und -bestecke sind Bestandteil der Volkstracht und werden in der Regel in Verbindung mit dieser getragen. Dies rührt daher, dass in der Vergangenheit jeder, ob Bauer, Handwerker, Fuhrmann oder Stadtrat, sein Messer oder Besteck bei sich trug. Dabei war das Trachtenmesser nicht nur Mittel zum Zweck, sondern stellte ein Prestigeobjekt dar. Das Messer wird samt Lederscheide nach wie vor auf der rechten Seite der Lederhose, in einer speziell dafür gefertigten Tasche, der sogenannten Messertaschl, getragen, wobei der Griff des Messers noch etwa 5cm herausschauen sollte.

Trachtenmesser in Verbindung mit der südtiroler Volkstracht

© Armin Gasser
Das Trachtenmesser in Verbindung mit der südtiroler Volkstracht.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


4. Aus welchen Bestandteilen besteht das Fuhrmannsbesteck?

Trachtenmesser sind feststehende Messer mit geradem Rücken und gerader Klingenform. Zum Fuhrmannsbesteck zählt neben dem Trachtenmesser meist eine zweizackige Gabel, die zum Festhalten der Wurst oder des Fleisches gedacht ist. Als dritter Bestandteil ist der Pfriem zu nennen. Dieser ist sowohl Wetzstahl als auch Ahle. Er wurde bei Bedarf zum Flicken des Pferdegeschirrs verwendet.

Fuhrmannsbesteck

© Armin Gasser
Das Fuhrmannsbesteck besteht aus dem Trachtenmesser, einer Gabel und dem Pfriem.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


5. Welches Klingenmaterial ist für ein Trachtenmesser besonders gut geeignet und warum?

Ein Trachtenmesser sollte aus einem Kohlenstoffstahl oder zumindest aus einem rostträgen Stahl gefertigt sein. Rostfreier Stahl oder Damast sollte eher nicht verwendet werden, da es der Tradition nicht entsprechen würde. Die Klinge sollte belastbar sein, damit z. B. eine gebratene Schweinshaxe problemlos zerlegt werden kann. Jedoch sollte sie dabei aber auch nicht zu hart sein, sodass man sie auch leicht nachschärfen kann. Meine empfohlene Härte liegt bei 56-58 HRC.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


6. Welche Klingenlänge ist für eines Trachtenmessers ideal?

Die Klingenlänge eines durchschnittlichen Trachtenmessers liegt zwischen 10 und 12 cm. Insgesamt ist ein Messer mit Griff circa zwischen 20 und 22 cm lang.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


7. Welche Art der Verzierung sind häufig auf der Klinge eines Trachtenmessers zu sehen und welche Bedeutung haben sie?

Trachtenmesser haben meist 9 Kreuze und 9 Halbmonde auf der rechten Seite der Klinge eingeschlagen. Dies rührt von dem alten südtiroler Sprichwort: “Nein Kreiz mit nein Mun greifen alle Taifel un.”. Die Zeichen sollen alles Böse vom Träger des Messers fernhalten. Das Messer wird aufgrund der Symbolik auch als Neunkreuzmesser oder Drudenmesser bezeichnet. Auf der linken Seite der Messerklinge ist in der Regel ein Spruch eingeätzt, wie beispielsweise “Gottes Segen und des Bauern Hand erhält das ganze Vaterland” oder auch “Ein frohes Herz, gesundes Blut ist besser als viel Geld und Gut”. Auf alten Messern sind nicht selten christliche Zeichen, wie “IHS” oder “INRI” zu sehen. Auch die Jahreszahl oder der Name des Messerbesitzers waren üblich.

Trachtenmesser – Verzierungen der Klinge

© Armin Gasser
Trachtenmesser – Verzierungen der Klinge.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


8. Welche Griffmaterialien kommen bei Trachtenmessern zum Einsatz? Welche Form der Verzierungen sind typisch?

Die Griffe der Trachtenmesser haben meistens eine Montierung aus Neusilber, Silber oder Eisen. Diese Umrahmung ist in der Regel handgraviert mit floralen Motiven oder mit persönlichen Initialen, Namen oder Ähnlichem. Die Griffschalen bestehen meist aus Kuhhorn, Hirschhorn oder Edellhölzern. Horn oder Holz können Einlegearbeiten aus Neusilber, Silber oder Perlmutt in Form von Tieren oder eben wieder floralen Motiven enthalten.

Griff von Trachtenmesser, Gabel und Pfriem.

© Armin Gasser
Griff von Trachtenmesser, Gabel und Pfriem.

Griffe aus Rehfüßen sind eine Modeerscheinung und haben mit dem historischen und traditionellen Trachtenmesser nichts zu tun. Bei einem Fuhrmannsbesteck sollten die Griffe von Messer, Gabel und Pfriem aufeinander abgestimmt sein und ein abgerundetes Gesamtbild ergeben.

Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


9. Welche Art der Scheide wird in Verbindung mit einem Trachtenmesser getragen?

Die Lederscheiden der Trachtenmesser oder Fuhrmannsbestecke bestehen meist aus gefärbtem Rindsleder und sind so gefertigt, dass das Messer bzw. die Besteckteile nicht herausfallen können. Beim Herausziehen des Messers aus der Lederhose, sollte die Lederscheide nicht in der Lederhose stecken bleiben. Daher ist es notwendig, eine zusätzliche Verriegelung an der Lederscheide des Messers zu haben.

Scheide eines Trachtenbestecks.

© Armin Gasser
Scheide eines Trachtenbestecks.

Eine weitere Möglichkeit ist es, dass der Keder der Lederscheide so eingenäht ist, dass, wenn das Messer und die Gabel in der Scheide stecken, beide Teile nicht gleichzeitig herauszuziehen sind. Die Lederscheide selbst kann auch eine taillierte Form haben, was eine ähnliche Wirkung hat. Auf der Lederscheide findet man häufig gepunzte Muster. Einheitliche Muster sind nicht üblich. Da hat und hatte jeder Messermacher oder Scheidenbauer so seinen eigenen Stil.

Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


10. Wie sollte ein Trachtenmesser gepflegt werden?

Um sich lange an einem Trachtenmesser erfreuen zu können, sind ein paar Pflegehinweise zu beachten:

  • Zum Reinigen des Messers, dieses nicht in die Spülmaschine legen, sondern mit lauwarmen Seifenwasser und einem Tuch abwischen.
  • Die Griffumrahmung aus Silber oder Neusilber kann man z. B. mit speziellen Polituren wieder auf Glanz bringen.
  • Die Messerklinge sollte nach Gebrauch nur mit einem Tuch abgewischt werden, bevor es wieder in die Lederscheide kommt.
  • Man sollte Messer und Bestecke nicht neben Hitzequellen (z. B. Heizkörper oder Ofen) aufbewahren, da sich im Horn bzw. Holz ansonsten unerwünschte Risse bilden können.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


11. Wie schärft man ein Trachtenmesser? Welche Methoden gibt es?

Das Schärfen eines Trachtenmessers hängt davon ab, aus welchem Stahl die Messerklinge besteht und wie hart der Stahl ist. Bis zu einer Härte von 58 HRC kann man die Klinge mit einem guten Wetzstahl wieder auf Höchstschärfe bringen. Ist die Schneide ganz stumpf, muss zuerst mit einem wasserlaufenden Schleifstein oder ganz langsam laufenden Bandschleifer eine Grundschärfe angebracht werden.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


12. Was sind im Allgemeinen typische Schwachstellen eines Trachtenmessers?

Eine Schwachstelle oder besser ein Minus der Trachtenmesser (Fuhrmannsmesser) ist, dass sie ein relativ hohes Gewicht haben, da die Griffe meist mit Metall beschlagen oder verziert sind. Ein dreiteiliges Besteck mit Messer, Gabel und Pfriem kann schon bis zu 250-300g wiegen. Fuhrmannsmesser und -bestecke bekommt man im Handel kaum zu kaufen. Es gibt eine Handvoll Messermacher, die sich auf solche Trachtenmesser und -bestecke spezialisiert haben und sich an alte Vorlagen und Arbeitstechniken halten. Wer sich ein Fuhrmannsmesser oder -besteck anschaffen will, soll sich an traditionellen Materialien und Formen orientieren. Micarta oder Plastik sind hier eher fehl am Platz. Auch Beschläge aus Aluminium oder Edelstahl sollten nicht verwendet werden. Um ein Fuhrmannsbesteck in die Lederhose tragen zu können, sollte das Messertaschl der Lederhose ca. 6cm breit und min. 18-20cm tief sein.
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


13. Wieviel sollte man in etwa für ein Trachtenmesser ausgeben? Welche Preiskategorien gibt es?

Trachtenmesser und -bestecke sind seit je her handgefertigte Unikate und haben ihren Preis:

  • So kostet 1 Fuhrmannsmesser etwa 300 EUR,
  • ein 2 teiliges Besteck (Messer und Gabel) kostet um die 500 bis 600 EUR und
  • ein 3 teiliges Besteck (Messer, Gabel, Pfriem) kostet dann schon 700 bis 800 EUR.

Diese Preise sind nur Richtlinien. Es kommt immer auf die Materialien an und wie aufwendig ein solches Messer oder Besteck verarbeitet ist. Die Preise sind nach oben natürlich offen.

Armin Gasser − Südtiroler Messermacher


14. Wie sähe das ultimative Trachtenmesser aus? In Stichworten.

  • Es sollte ein dreiteiliges Trachtenbesteck sein (Fuhrmannsbesteck)
  • Absolut handgefertigt
  • Handgravierte Initialen auf Messergriffoberseite
  • Eingeätzter Spruch auf Messerklinge
  • Historische Formen und Materialien
Armin Gasser − Südtiroler Messermacher






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