Wurfmesser

Peter Kramer

Experte
Peter Kramer

  • Fünffacher Sieger in den großen europäischen Messerwerfercontests
  • IKTHOF World Championships – 10/2010 in Austin Texas – Gold Cup Messer: Platz 3

Beim Messerwerfen handelt es sich nicht notwendigerweise um eine artistische Zirkusnummer, in der es gilt, die hübsche Assistentin auf der rotierenden Drehscheibe zu verfehlen. Das Messerwerfen ist ein Wettbewerbs-Sport, bei dem bestimmte Regeln gelten und es auf Handhabung und Zielgenauigkeit ankommt. Langes Training und Geschick sowie das geeignete Material sind Voraussetzungen, die beim Messerwerfen über „voll ins Schwarze“ oder „knapp daneben ist auch vorbei“ entscheiden. Das zentrale Sportgerät ist das Wurfmesser oder besser gesagt: die Wurfmesser, denn als Sportwerfer besitzt man immer mehrere. Worauf es bei guten Wurfmessern ankommt, um erstens gute Wurfergebnisse zu erzielen und zweitens die Verletzungsgefahr möglichst gering zu halten, erklärt uns Peter Kramer, auch bekannt als fünffacher Sieger in den großen Europäischen Messerwerfercontests. Als nachgewiesener Wurfmesser-Experte weiht er uns außerdem in erste Techniken zum Üben, mögliche Ziele und Beschaffenheit von Anfänger- und Profiwurfmessern ein. Viel Spaß beim Lesen!


2. Wozu dient ein Wurfmesser? Wozu ist es konzipiert? Welche Aufgaben hat es?3. Wie schwer sollte ein Wurfmesser in etwa sein? Und warum?
5. Welches Klingenmaterial ist für ein Wurfmesser besonders geeignet?6. Welche Griffmaterialien kommen bei Wurfmessern zum Einsatz oder sind Messer ohne Griffschalen besser geeignet?
8. Wie sähe das ultimative Wurfmesser aus? In Stichworten.9. Wie viele Wurfmesser sollte ein Anfänger und wie viele die Profi’s haben?
11. Wie wirft man ein Wurfmesser? Welche Methoden gibt es?12. Wie weit sollte man vom Ziel entfernt stehen? Was sagt es aus, wenn der Griff des Wurfmessers nach oben bzw. nach unten zeigt?
14. Wie lange dauert es in etwa, bis man das Werfen eines Wurfmessers beherrscht?15. Ist es illegal ein Wurfmesser zu tragen? Wann sollte man das Wurfmesser lieber zuhause lassen?
17. Gibt es für Anfänger ein empfehlenswertes Buch zum Einstieg?18. Welches Wurfmesser kann man einem Anfänger und welches einem Profi empfehlen?






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1. Welche Eigenschaften sollte ein gutes Wurfmesser haben?

Um diese Frage auf einen einfachen Nenner zu bringen: Ein gutes Wurfmesser sollte grundsätzlich robust (da es einem sehr rauen Gebrauch ausgesetzt ist) und handlich sein, und zu guter Letzt darf es nicht teuer sein, da man als Sportwerfer idealerweise mehrere Exemplare eines speziellen Modells besitzt, um damit im Training und Wettkampf Serien werfen zu können. Einzelheiten dann weiter unten.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


2. Wozu dient ein Wurfmesser? Wozu ist es konzipiert? Welche Aufgaben hat es?

Ein Wurfmesser dient grundsätzlich einzig und allein dem Wurfsport, also dem sportlichen Werfen und nichts anderem. Es ist daher so gebaut, dass es gut ins Holz einer Wurfscheibe “beißt”. Daraus folgt, dass bei einigen Modellen (wie dem brasilianischen “Faka”) oftmals nicht mehr allzu viel “Messer” erkennbar ist, denn die Schneiden sind oft stumpf bis rund.

Zwei Wurfmesser

© Peter Kramer

Mit zahlreichen Wurfmessern kann man daher überhaupt nicht schneiden. Die Spitze sollte jedoch wirklich richtig schön spitz sein. Auch die zulaufende Spitze eines Wurfmessers ist idealerweise beidseitig angeschärft, so dass es auch bei leichten Wurffehlern in der Scheibe stecken bleibt.

Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


3. Wie schwer sollte ein Wurfmesser in etwa sein? Und warum?

Um das an einem ganz einfachen Beispiel zu verdeutlichen: Werfen Sie vergleichsweise einen Tischtennisball (= extrem leicht) oder einen Vollgummiball, der schwer und satt in der Hand liegt. Mit welchem lässt es sich leichter werfen? Ganz klare Sache: Der Tischtennisball mag zwar leicht sein, doch macht dies das Werfen nicht leichter, sondern schwerer. Ein Wurfmesser sollte auf jeden Fall ein gewisses Mindestgewicht – und damit Masse – mitbringen, um es möglichst kontrolliert und kräfteschonend werfen zu können. Da Wurfmesser auch eine bestimmte Länge nicht unterschreiten sollten (und im Wettbewerb auch nicht dürfen – 23 cm -), ergibt sich hieraus automatisch auch ein gewisses Gewicht. Rund 250 Gramm sollten es mindestens schon sein, idealerweise ist das Gewicht noch ein wenig höher. Meine Wettkampfmesser wiegen rund 400 Gramm das Stück.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


4. Welche Klingenform hat ein typisches Wurfmesser? Und ist die Klinge scharf/stumpf?

Um dieses Frage auf einen einheitlichen Punkt zu bringen: Es gibt keine ultimative Klingenform. Manche Wurfmesser haben eine schön geschwungene Bowie-Klinge (wie das in den 50ern hergstellte Bowie-Axe bzw. der Perfect Balance Thrower von Cold Steel, der aktuelle Nachbau dieses Messers).

Drei Exemplare des Pro-Balance-Thrower-Wurfmessers der Firma Cold Steel

© Peter Kramer
Hier sind drei Exemplare des Pro-Balance-Thrower-Wurfmessers der Firma Cold Steel zu sehen.

Weiterhin existieren auch lanzettlich gestaltete Wurfmesser (Pro Balance oder Sure Balance Thrower), Wurfmesser in Gestalt eines langen, stumpfen Brotmessers (Faka), eine “Diamant”-Form (Haller-Artistenwurfmesser) oder zahlreiche Eigenkreationen. Wichtig ist vor allen Dingen eine funktionelle Spitze, wie bereits oben angemerkt.

Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


5. Welches Klingenmaterial ist für ein Wurfmesser besonders geeignet?

Wurfmesser unterliegen naturgemäß einem rauen und harten Gebrauch, – viel härter als der Einsatz manch anderer Messer. Die härteste Belastung, die ein Wurfmesser aushalten muss, ist nicht der Fehlwurf, denn die Kollision mit der Holzscheibe ist für kaum ein stabiles Messer ein besonderes Problem. Viel extremer ist die Kollision zwischen einem geworfenen und einem bereits steckenden Messer (der klassische Robin-Hood-Wurf). Gute Wurfmesser dürfen dadurch auf gar keinen Fall brechen. Ideale Wurfmesserstähle sind daher vorrangig zäh, müssen aber nicht allzu hart sein (die Rockwell-Skala darf vernachlässigt werden, denn harter Stahl bricht auch rasch) Vergleich: Glas = sehr hart, aber auch höchst zerbrechlich. Somit ist nicht rostfreier Stahl (Carbonstahl, wie die meisten Cold Steel-Wurfmesser) hier das ideale Material, welches sich auch einfach nachschleifen lässt.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


6. Welche Griffmaterialien kommen bei Wurfmessern zum Einsatz oder sind Messer ohne Griffschalen besser geeignet?

Bingo! Am besten sind Wurfmesser ohne jeden Griff und Firlefanz. Ich persönlich bevorzuge Gewebetape für den besseren “Grip”, dies ist jedoch Geschmackssache. Dicke und bauchige Griffe eignen sich nicht, noch schlimmer sind Haken oder Schnörkel am Ende des Griffes, so das man beim Loslassen mit den Fingern daran hängen bleibt. Gute Alternativmaterialien wären Wicklungen aus Leder oder Fallschirmleinen, doch sollte der Griff auf jeden Fall flach und gerade gehalten werden.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


7. Wie wichtig ist der Schwerpunkt des Wurfmessers? Wo sollte er liegen?

Ideal ausbalancierte Wurfmesser finden ihren Schwerpunkt in der relativen Mitte. Diese Balance hat jedoch einzig und allein den Zweck, dass sich das Messer bei gleicher Wurftechnik immer gleichschnell dreht, egal ob von der Klinge oder von Griff aus geworfen. Mehr Bewandnis hat es damit nicht. Werfe ich beispielsweise ein großes Küchenmesser, welches grifflastig ist, mit der Klinge, so dreht es sich langsamer als im Vergleich zum Wurf mit dem Griff. Das ist es auch schon. Mehr sagenumwobene Geheimnisse gibt es nicht zum Stichwort “Schwerpunkt”. Viele Nichtwerfer sind des Glaubens, dass ein Messer mit Schwerpunkt in der Mitte quasi “immer stecken bleibt”, aber dies ist ins Reich der Fabel zu verbannen. Messer drehen sich nach dem Abwurf, – mal langsamer und mal schneller. Wurfmesser mit dem berühmten verstellbaren Schwerpunkt dienen daher allein der Verkaufsförderung des Händlers und zu nichts anderem. Ich selbst kenne weltweit keinen Wettkampf-Sportwerfer, der mit diesen Dingern wirft, da dieser Mumpitz zu nichts gut ist.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


8. Wie sähe das ultimative Wurfmesser aus? In Stichworten.

  • Zäh,
  • robust,
  • sattes Gewicht
  • handlich,
  • bissig an der Scheibe,
  • gerne auch formschön (wer wirft schon gerne mit hässlichen Sportgeräten?)
  • und zuletzt auch preiswert.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


9. Wie viele Wurfmesser sollte ein Anfänger und wie viele die Profi’s haben?

Idealerweise erwirbt man von seinem Lieblingsmodell direkt drei oder vier gleiche Exemplare, und zwar von Beginn an. Auf diese Weise kann der Starter sofort im Verlauf des Trainings Serien werfen und muss nicht nach jedem Wurf einen Spaziergang zur Scheibe machen. Bei Fehlwürfen kann man sich auf diese Weise zudem leichter korrigieren. Ich selbst besitze inzwischen gegenwärtig ca. 40 Wurfmesser, vielleicht auch mehr. Ich kenne jedoch auch Sportwerfer, die weit über hundert in Ihrer Kollektion haben, daher finde ich mich eher am Anfang der Werfer-Nahrungskette wieder. Davon kommen bei mir im reinen Training viele Modelle im Wechsel zum Einsatz, um mir eine gewisse Vielseitigkeit zu erhalten und das Training abwechslungreicher zu gestalten, doch im Sportwettkampf werfe ich nur zwei verschiedene Modelle. Im Training kann es jedoch vorkommen, dass ich rein aus Spaß zwischendurch auch mit Gebrauchsmessern oder Jagdmessern werfe.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


10. Welche grundlegenden Sicherheitsrichtlinien sollte man beim Messerwerfen einhalten?

Um nicht “Lieschen Müller” bei der Gartenarbeit aufzuspießen, sollte man sich zum Training ein Terrain auswählen, welches entweder so beschaffen ist, dass die Klingen das Trainingsgelände nicht verlassen können (z.B. Ummauerung und sonstige Umfriedungen) oder alternativ das Gelände weitläufig und überschaubar ist (beispielsweise Bogenschießplätze), so dass man von keinem plötzlich auftauchenden Zuschauer überrascht werden kann. Glücklicherweise haben Messerwürfe nur eine relativ geringe Reichweite im Vergleich zum Sportbogenschießen, so dass die Auswahl des Geländes nicht allzu schwer ist und auch viele Gärten bereits genug Platz bieten. Wichtig: Direkt hinter dem Wurfziel und unmittelbar daneben ist eine absolute No-Go-Area. Man will ja nicht sich selbst und anderen den Tag verderben.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


11. Wie wirft man ein Wurfmesser? Welche Methoden gibt es?

Um mit dem Werfen zu beginnen, fasst man das Messer am besten am Griff an, – und zwar auf die gleiche Weise, als wollte man jemandem die Hand schütteln (Side Pinch Grip).

Wurftechnik: Side Pinch

© Peter Kramer
Wurftechnik: Side Pinch

Manche Werfer legen auch instinktiv den Daumen auf die Griffrückseite (Hammer Grip). Grundsätzlich sollte man zunächst die Technik auswählen, bei der man sich am wohlsten fühlt. Für manche Messer muss der Werfer jedoch auch exotischere Grifftechniken anwenden, allein um sich an einer scharfen Schneide nicht selbst zu verletzen. So werden militärische Messer oder Kampfmesser oft mir dem Klemmgriff (Horizontal Blade Grip) geworfen, weil es nahezu die einzige Möglichkeit zum “unfallfreien” Wurf ist. Die dicken und bauchigen Kampfmessergriffe scheiden oftmals von alleine aus. Sowohl Hammer- wie auch Klemmgriff lassen die Messer im Vergleich langsamer rotieren, was am Ende wieder Auswirkungen auf die Distanzen hat.

Wurftechnik: Hammer-Grip

© Peter Kramer
Wurftechnik: Hammer-Grip

Den reinen Pinch Grip verwendet man nur bei sehr kleinen und leichten Messern / Gegenständen, da sich die Geräte hierdurch sehr schnell und kaum kontrollierbar drehen. Letztere Technik braucht eine Menge Übung, eignet sich jedoch auch für Schraubendreher, Zimmermannsnägel und kleinere Taschenmesser.

Wurftechnik: Pinch Grip

© Peter Kramer
Wurftechnik: Pinch Grip
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


12. Wie weit sollte man vom Ziel entfernt stehen? Was sagt es aus, wenn der Griff des Wurfmessers nach oben bzw. nach unten zeigt?

Messerwerfen ist stets ein Spiel zwischen Rotation und Distanz. Daher benötigt man ganz automatisch einen unbedingten Mindestabstand, damit sich das Messer in Richtung Wurfziel überhaupt einmal drehen kann. Im Normalfall beträgt diese Entfernung rund drei Meter; bei manchen Werfern aufgrund einer veränderten Wurftechnik auch etwas mehr. Für jede weitere Drehung des Messers kann man ca. zwei Meter Distanz hinzurechnen. Faustregel: Beherrscht man den Wurf aus drei Metern bereits so sicher, dass man bei fünfzig Würfen keinen Fehlwurf mehr macht, so kann man sich auf die Fünf-Meter-Distanz zurückwagen und macht nun einfach exakt die gleiche Bewegung. Im Idealfall macht das Messer einfach nur eine weitere Drehung und steckt wieder.

Interpretation des Wurfergenisses

© Peter Kramer
Interpretation des Wurfergenisses.

Wenn das Messer im Wurfziel nach oben zeigt, so ist dies das Resultat einer Überrotation. Entweder hat der Werfer also aus dem Abwurf heraus dem Gerät zu viel Drehimpuls mitgegeben, – oder aber die Distanz ist einfach zu groß. Manchmal sind es auch nur Kleinigkeiten: Hebt man beispielsweise während des Abwurfes die Ferse des hinteren Beins versehentlich an, beschleunigt man die Drehung des Messers ebenfalls. Wobei natürlich auch nach oben (oder unten) zeigende Messer einen gültigen Wurf darstellen. Doch ist der rechte Winkel immer als Idealbild anzustreben. Beim nach unten “hängenden” Messer ist die Sache genau umgekehrt: – Zu wenig Drehimpuls oder zu kurze Distanz. Hier schließt sich wieder der Kreis: habe ich mehrere Messer der gleichen Sorte zur Verfügung, so kann ich mich nun an Ort und Stelle korrigieren und den folgenden Wurf entsprechend verändern.

Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


13. Welches Ziel sollte man zum Üben beim Messerwerfen verwenden?

Es gibt ein ehernes Gesetz unter Sportwerfen: – Wir werfen auf keine lebenden Ziele, – und da sind Bäume absolut eingeschlossen, da auch hier durch die Verletzungen an der Baumrinde Parasiten und Schädlinge eindringen können. Und wir Sportwerfer wollen am Ende ja nicht am Waldsterben schuld sein. Als perfektes Wurfziel bieten sich Baumscheiben aus Weichholz an (mein Favorit: Pappel, da genau so herrlich weich wie Nadelhölzer, aber ohne das klebrige Harz), die man in nahezu jedem Sägewerk bekommt (hin und wieder auch gegen “Naturalien” wie einem Kasten kühlen Gerstensafts). Am besten sind Scheiben mit mindestens 50 cm Durchmesser sowie rund 20 cm Stärke. Ansonsten scheidet einfach jedes Holz von Bäumen aus, die Blätter haben. Bei unseren Wettbewerben wird im Regelfall auf Nadelhölzer geworfen.

Wurfmesser Ziel

© Peter Kramer
Als Ziel dient stets totes Holz, wie hier Treibholz vom Strand.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


14. Wie lange dauert es in etwa, bis man das Werfen eines Wurfmessers beherrscht?

Bei ein wenig Begabung für Wurfbewegungen bringe ich jedem Starter die Grundzüge des Messerwerfens innerhalb einer halben Stunde bei. Danach beherrscht er meistens bereits in Ansätzen den Wurf aus der kurzen Distanz (rund drei Meter). Wichtig ist hierbei zunächst einmal, das Messer überhaupt so zu werfen, dass es am Ende steckenbleibt. Die Feinheiten wie das genaue Zielen und Treffen kleinerer Ziele, am Ende auch über weitere Distanzen, erlernt der Werfer nach und nach über die Jahre des Ausprobierens und Trainierens. So werfe ich inzwischen bereits selbst seit rund dreißig Jahren und stelle jetzt immer wieder fest, dass gerade in den anspruchsvolleren, längeren Distanzen (fünf und sieben Meter) bei entsprechender Übung weitere Trainingsfortschritte erkennbar sind. Das Lernen und Perfektionieren hört also niemals auf.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


15. Ist es illegal ein Wurfmesser zu tragen? Wann sollte man das Wurfmesser lieber zuhause lassen?

Zunächst im Grundsatz:
Es gibt niemals einen vernünftigen Grund, auf einem Volksfest, in der Disco oder in der Fußgängerzone ein griffbereites Wurfmesser am Gürtel zu tragen. Logischerweise würde dieses Verhalten seitens der öffentlichen Ordnung auch nicht allzu gerne gesehen. Vor dem Hintergrund der Verschärfung des Waffengesetzes im Jahre 2008 ist es ohnehin unlängst verboten, feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm in der Öffentlichkeit zu führen.
Es sei denn – und jetzt kommt´s : Es besteht ein sozial-kultureller Anlass hierfür. So wäre es natürlich auf der anderen Seite höchstdämlich, sollten auf unseren kommenden Europäischen Meisterschaften der Messer- und Tomahawkwerfer im Schwarzwald plötzlich uniformierte Ordnungshüter auftauchen und den Aktiven Ihre Sportgeräte beschlagnahmen. Hier ist klar: Der Hintergrund – in diesem Fall der der Sportausübung – ist gegeben, somit auch die klare Berechtigung des Führens unserer Wurfmesser bei solcherlei Events.

Wichtig beim Transport:
Der direkte und unmittelbare Zugriff während der Fahrt muss ausgeschlossen sein, daher immer am besten in verschließbaren Behältnissen im Kofferraum aufbewahren. In Frankreich beispielsweise ein Muss, wo ohnehin nur derjenige Wurfmesser besitzen und mit sich führen darf, der eine so genannte “artistische Nutzung” nachweisen kann. Im Falle des ausländischen Sportwerfers (ja, in diesem Fall sind wir mal die Ausländer) also auch eine Einladung des Veranstalters (aus eigener Erfahrung dann eine problemlose Angelegenheit bei Grenzübertritt oder Kontrollen). Da in der Schweiz Wurfmesser absolut verboten sind, sollte man dieses Land auf jeden Fall meiden, sofern man – aus welchen Gründen auch immer – Wurfmesser im Gepäck hat. Es drohen Beschlagnahme und hohe Geldstrafen. (p.s.: Ich habe keine Erfahrungen mit Österreich, da es dort keine verzeichneten Sportwerfer gibt – und somit bis heute auch so gut wie keine Veranstaltungen).

Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


16. Darf man das Wurfmesser als Instrument zur Selbstverteidigung einsetzen?

Als langjähriger Karatesportler (1. Dan Schwarzgurt Shotokan-Karate) weiß ich folgendes: Es ist mir erlaubt, im Rahmen der Notwehr einen unmittelbaren, gegenwärtigen Angriff mit angemessenen Mitteln abzuwehren und mich somit selbst zu verteidigen. Die Legende, ich müsste vorher Warnungen aussprechen, ist übrigens ausgemachter Blödsinn. – Wäre ja wohl noch schöner – ! Die Frage, ob ich zu meiner Verteidigung auch ein Wurfmesser einsetzen darf, relativiert sich schnell, wenn ich auf die Gesetzeslage hinsichtlich des Führens eines Messers in der Öffentlichkeit zurückkomme: – Einfache Logik: Darf ich ein Messer nicht in der Öffentlichkeit führen, habe ich es – logische Folge – auch als Mittel der Selbstverteidigung erst gar nicht zur Hand. Diese Sachlage ändert sich allerdings innerhalb meiner eigenen privaten Wohnung oder meinem Haus. Rein hypothetisch dürfte ich in jedem Fall einen nächtlichen Einbrecher mit einem Messerwurf außer Gefecht setzen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel bliebe gewahrt (denn ich muss davon ausgehen, dass ein Gesetzesbrecher ohnehin bewaffnet ist), und ich hätte rein rechtlich das Gesetz auf meiner Seite. Rein praktisch allerdings wäre ein derartiges Verhalten mehr als töricht, denn habe ich eine Waffe zur Hand, so werfe ich sie nicht noch absichtlich fort. Zudem kann ich die Distanz zum Gegner nur grob schätzen und riskiere Fehlwürfe – neben dem Verlust meiner Verteidigungswaffe. In einer Nahkampfsituation sollte man sich zudem niemals von seiner Waffe trennen. Um es auf den Punkt zu bringen: Messerwerfen als Selbstverteidigungsmittel verweise ich in Richtung James Bond oder Batman, wo es gut und effektvoll aufgehoben ist. Mehr ist hierzu prinzipiell nicht zu vermelden. Übrigens ist auch das Nahkampfwerfen, wie es in manchen Armeen praktiziert wird, weniger ein Mittel der Selbstverteidigung, sondern vielmehr ein versteckter Angriff aus dem Hinterhalt auf einen ahnungslosen Gegner.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


17. Gibt es für Anfänger ein empfehlenswertes Buch zum Einstieg?

Kurz beantwortet: Leider noch nicht. Mein langjähriger lieber Werferfreund und guter Kamerad Dieter Führer, nebenbei auch einer der weltbesten Werfer, hat unlängst ein wirklich gutes Werk verfasst, doch kam sein Verleger trotz Publikationszusage leider bis heute nicht aus den Puschen, das gute Stück auch zu veröffentlichen. Mit etwas Glück wird´s vielleicht in diesem Jahr noch was.
Informationshungrige verweise ich gerne auf die Internet-Plattform www.messerwerfen.de sowie natürlich auch auf meine eigene Seite www.messerpete.npage.de. Die bislang auf dem deutschen Markt publizierten Werke haben einen großen Schwachpunkt darin, dass sie von Autoren verfasst worden sind, die im Wurfsport und in der Szene kein Mensch kennt – und bei der Lektüre erkennt man auch recht schnell, warum das der Fall ist. Ich würde lieber auf Dieters Buch warten.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer


18. Welches Wurfmesser kann man einem Anfänger und welches einem Profi empfehlen?

Hier schließt sich nun der nächste Kreis: – Das ideale Wurfmesser (siehe oben) -. Was wichtig ist: Es gibt keinen Unterschied zwischen einem “Anfänger” – Messer oder dem eines Fortgeschrittenen bzw. Profis. Der Starter sollte sich idealerweise direkt mit einem vernünftigen Sportgerät ausstatten, immer unter der Prämisse “ich bin zu arm, um Schrott zu kaufen”. Messerwerfen ist unter dem rein monetären Aspekt ein eher preiswerter Sport. Hat man erstmal vier Wurfmesser seiner Wahl, verbrauchen sich die Dinger auch nicht so schnell. Und selbst absolute Top-Wurfmesser mit Spitzenqualität kosten kaum mehr als 27,- bis 35,- Euro das Stück. Das Teure an unserem Sport ist eher das Reisen zu den verschiedenen Wettkampfplätzen und Veranstaltungen. Ich würde bei den Messermodellen noch eher den Unterschied machen, ob ich es mit einem Jugendlichen zu tun habe oder evtl. mit einer jungen Frau, die mit dem Werfen beginnen möchte. Hier muss ich ein wenig auf das Gewicht des Messers achten, welches am Anfang nicht zu schwer sein sollte.

Für den Starter empfehle ich folgende Modelle:

  • Das Haller-Artistenwurfmesser (einsame Spitze und nicht zu teuer). Lässt sich von Griff und Klinge phantastisch werfen.
  • Cold Steel “Perfect Balance Thrower”, mein Lieblings-Wettkampfwurfmesser. Preiswert, Topmaterial, unempfindlich und robust. Eines der besten Wurfmesser am deutschen Markt.
  • Boeker: Ziel (nach dem Design meines amerikanischen Freundes John Bailey). Doch Achtung: Bei den jetzigen Modellen gibt es Unregelmäßigkeiten im Material. Der Stahl war porös und brach leicht. Das Design ist gut, doch bietet sich vorrangig der Wurf vom Griff aus an, da die Schneide ganz am Ende beidseitig rattenscharf ist. Auf jeden Fall nur Rang “Drei”.
  • Damiano (Brasilien): Das “Faka”, mein erstes Wettkampfmesser. Fazit: Hässlich, aber funktionell und gut! Doch von ehemals 8 Stück sind mir jedoch durch Kollisionen 5 Stück davon zerbrochen. Am Ende nur bedingt empfehlenswert.

Für den kräftigeren Werfer:

  • Cold Steel: Pro Balance Thrower: Wiegt etwas über 400 Gramm und braucht schon einen kräftigen und trainierten Wurfarm. Ansonsten absolute Klasse.
  • Cold Steel: Sure Balance Thrower – Etwas für den “Strong Man” unter den Werfern. Ein Halbpfünder (über 500 Gramm), der hervorragend fliegt, aber leider aufgrund seiner Maße (über 6 cm Klingenbreite) nicht auf unseren Wettbewerben zugelassen wird. Doch in jedem Fall ein gutes Trainingsmesser.
Peter Kramer – Profi-Messerwerfer






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