Messermacher Armin Gasser

Armin Gasser

Südtiroler Messermacher
Armin Gasser

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  • Sieger in der Kategorie “Altes Hand-werk” des Handwerkspreises “NOVA”

Armin Gasser aus Südtirol ist „Messermacher aus Leidenschaft“. Diese spezielle handwerkliche Begabung entdeckte Armin bereits in seiner Kindheit beim Basteln von eigenem Spielzeug. Sein Interesse an dem alten Tiroler Handwerk beruht auf einer langen Familientradition, denn schon sein Großvater fertigte kunstvolle Gegenstände für Trachten und Haushalt. Von dieser Leidenschaft angesteckt, brachte Armin sich Schritt für Schritt alle Fertigkeiten zum Messermachen selber bei und ist seit 2007 professionell im Geschäft. Seine Trachtenmesser und Fuhrmannsbestecke sind meisterhafte Unikate, die er ganz nach den Wünschen seiner Kunden herstellt. Die hohe Qualität seiner Messer wurde 2010 darüber hinaus durch Auszeichnung mit dem Südtiroler Handwerkspreis bestätigt. In unserem Interview beschreibt Armin Gasser nicht nur seinen Werdegang als Messermacher, den Prozess seiner Ideenfindung und Arbeitsweise und was seine Messer und Bestecke so besonders machen, sondern verrät auch Tipps für Einsteiger und Profis. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!


2. Kannst Du uns etwas über Dein erstes Messer und dessen Entstehung erzählen?3. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?
5. Fertigst Du eher Messer mit feststehender oder klappbarer Klinge?6. Wie sieht Deine Werkstatt aus: Welche Werkzeuge / Maschinen nutzt Du?
8. Mit welchen Griffmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?9. Mit welchen Klingenmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?
11. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?12. Entwirfst und fertigst Du die zugehörigen Lederscheiden für Deine Messer selbst? Welche Materialien verwendest Du und warum?
14. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?15. Worin siehst Du die Unterschiede Deiner Messer zu denen, die in Groß-Serien in Messerschmieden produziert werden?






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1. Wie bist Du zum Messermachen gekommen? Seit wann fertigst Du Messer?

Ich habe als Kind viel Zeit im Keller verbracht, um irgendetwas zu basteln. Finanziell konnten wir uns nicht viel leisten und so haben wir uns halt eben alles selbst gemacht. Unzählige Kräne, Autos, Schwerter und Messer aus Holz oder Pfeil und Bogen entstanden im Laufe der Zeit. Das war wahrscheinlich die Zeit, die mich geprägt hat, selbst irgendwas zu entwickeln. Mit 15 fing ich eine Lehre an als KFZ-Mechaniker an und wechselte fünf Jahre später zum Beruf Bauspengler. Im Winter arbeitete ich als Skilehrer. Da ich mich sehr für altes Tiroler Handwerk interessierte, verspürte ich 2005 den Drang, auch etwas in der Art zu machen. Seit Ende 2005 bin ich im Besitz des gesamten Werkzeuges des Großvaters Pius Thaler aus Reinswald im Sarntal, der 1982 verstorben ist. Er fertigte kunstvolle Gegenstände für Trachten und Haushalt aus Messing und Neusilber. Ich versuchte, einige seiner Stücke nachzumachen und es wurde zur Leidenschaft. Ich verbrachte wieder viel Zeit im Keller um zu „basteln“. Der Bruder meines Großvaters Franz Thaler zeigte mir eine Technik zum Gravieren mit einem Stichel. Eines Tages, als ich ihn wiedermal besuchte, zeigte er mir ein Sarner Trachtenbesteck. Ich war fasziniert von diesem Stück. Von diesem Augenblick an machte ich nur noch Messer. Ich hatte mein perfektes Hobby gefunden. Ich fuhr in Museen, um alte Trachtenmesser und Bestecke (Fuhrmannsbestecke) anzuschauen und interessierte mich für die tolle Geschichte dieser Messer. Mich reizt am Messermachen, dass man eine Vorstellung im Kopf hat und sie dann versucht zu realisieren. Im Laufe der Zeit hat man eine gewisse Übung mit verschiedenen Materialien und Arbeitstechniken, aber jedes neu kreierte Messer ist eine neue Herausforderung und das liebe ich am Messermachen.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


2. Kannst Du uns etwas über Dein erstes Messer und dessen Entstehung erzählen?

Mein erstes Messer war eine sehr große Herausforderung für mich. Es sollte ein Trachtenmesser mit einer Griffmontierung aus Neusilber werden. Ich telefonierte tagelang herum, um ein Stück Neusilberblech in 1 mm Stärke zu bekommen und wurde bei einer Firma, die Lampenschirme produziert, fündig. Bei einem Maschinenschlosser bekam ich ein Stück 3 mm dickes Hardox-Verschleiß-Blech, das ich für die Klinge benutzte. Im Baumarkt kaufte ich mir auch eine Hobbybandschleifmaschine. Ich machte eine Skizze, wie das Messer aussehen sollte. Dann stand ich da: mit den Materialien und dem neuen Bandschleifer und wusste nicht, wie und wo ich anfangen sollte. Ich versuchte, die Neusilberteile zuzuschneiden und zurechtzubiegen und zu löten. Alles was man zum Hartlöten braucht, hatte ich schon und hatte darin schon ein wenig Übung. Als die Griffmontierung fertig war, zeichnete ich mit einem Stift die Klingenform auf das 3 mm Stahlblech auf und schneidete es mit der Flex grob aus. Nun ging es an die Bandschleifmaschine, um der Klinge einen Flachschliff zu verpassen. Ich bemerkte gleich, dass ich einen Kübel mit Wasser brauchte, um die Klinge regelmäßig abzukühlen, weil ich mir gleich die Finger verbrannte. Das Schleifband war auch sofort verschlissen und ich musste mir noch einige kaufen. An dem Tag war ich öfters im Baumarkt, der 10 Minuten mit dem Auto entfernt war. Am Vorderteil des Griffes feilte ich ein Loch aus, sodass die Angel der Klinge reinpasste. Den Griff verlötete ich nun mit der Klinge und für die Griffeinlage verwendete ich ein Stück Holz, das in der Werkstatt herumlag. Ich schmirgelte das ganze Messer mindestens zwei Stunden mit Schleifpapier verschiedener Körnungen, damit es nicht so grob aussah.

Erstes Messer von Armin Gasser

© Armin Gasser
Mein erstes Messer.

Das Neusilber gravierte ich noch per Hand mit irgendwelchen Verzierungen. Um die Klinge zu schärfen, wetzte ich sie eine Weile mit einem Wetzstein, wie man ihn für Sensen benutzt. Es war kein Meisterstück, aber ich war unheimlich stolz. Als ich dieses Messer machte, hatte ich überhaupt keine Ahnung über das Messermachen. Ich bestellte mir dann einige Bücher über das Messermachen. Aus diesen Büchern konnte ich viel Fachwissen über Materialien und Arbeitsschritte entnehmen, das mir für die weiteren Messer sehr geholfen hat.

Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


3. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?

Ach, das ist ganz unterschiedlich. Manchmal sehe ich in Volkskundemuseen einige alte Bestecke oder Messer, die ich mir dann genauer anschaue. Ich versuche, mir dann die Machart und Klingenform einzuprägen. Manchmal sehe ich ein Messer auf einem Flohmarkt, bei dem mir die Klingen- oder Griffform gut gefällt. Es sind auch bestimmte Materialien, wie Hörner oder Hölzer, die mir die Idee geben, daraus etwas zu machen. Mich inspirieren die Berge, die Almen, die alten Bauernhäuser und unsere Volkstracht. All die Sachen, die typisch für Südtirol sind. Auch der Südtiroler Schinkenspeck wird nach alter Tradition per Hand in Scheiben geschnitten. Leute, die altes fast vergessenes Handwerk vorführen, inspirieren mich ebenfalls besonders. Auch ich möchte mit meinem Handwerk einen kleinen Beitrag liefern, dass dieser alte Handwerksberuf nicht in Vergessenheit gerät.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


4. Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Messer entwirfst?

Zuallererst wird eine Skizze gemacht, wie die Klingenform und der Griff aussehen könnten. Dann entscheide ich mich für eine Gesamtlänge des Messers, z.B. 20 cm. Danach mache ich eine genauere Zeichnung. Die Proportionen zwischen Klingenlänge und Höhe, sowie die Länge des Griffes spielen eine entscheidende Rolle für das Gesamtbild.
Ich beschreibe hier die Entstehung eines Trachtenmessers. Die Zeichnung übertrage ich dann auf eine Holzleiste und schneide sie aus. So kann ich das „Holzmesser“ schon mal in die Hand nehmen, um zu testen, wie es sich anfühlt. Der Griffaufbau ist bei den meisten meiner Messer immer gleich. Der Griff besteht aus einem Kern aus Messing, an dem die Neusilbermontierung in verschiedenen Formen und Breiten aufgelötet ist. Das Messing ist an der Stelle ausgeschnitten, wo die Angel der Klinge später reinkommt. Sobald die Griffhülse fertig ist, wird die Klinge nach der Holzschablone ausgeschnitten. Der Klingenansatz wird genau an die Griffhülse angepasst. Der Klingenrücken erhält ein eingefeiltes Muster und am Klingenansatz wird ein Knauf reingefeilt, was typisch für meine Messer ist. Nun geht es an den Bandschleifer und ich verpasse der Klinge einen Flachschliff. Zuerst mit Körnung 40, dann 80 und 120. Dann werden z.B. neun Kreuze und neun Halbmonde auf die rechte Seite der Klinge eingeschlagen. Alles wird nochmals überschliffen bis Körnung 320. Die Klinge wird dann in allen Ecken per Hand mit Schleifleinen mit der Körnung 400 weitergeschliffen. Soll beispielsweise auf die linke Seite der Klinge ein Spruch eingraviert werden, wird die gesamte Klinge mit säurefestem Lack bestrichen. Nach einem Tag Trockenzeit kann ich per Hand mit einer Radiernadel den Spruch hineinschreiben bzw. in den Lack ritzen. Die gesamte Klinge tauche ich für eine gewisse Zeit in Salpetersäure.

Schablonen und Entwürfe Armin Gasser

© Armin Gasser

Nach Entfernen des Lackes ist der Spruch auf der Klinge verewigt. Die Klinge ist nun bereit für das Härten, was eine Härterei für mich übernimmt. In der Zwischenzeit wird der Griff eingespannt und das Neusilber wird per Hand graviert. Falls die Griffeinlagen aus Kuhhorn sein sollten, kann ich die schon mal in die ungefähre Größe zurechtschneiden, mit dem Heißluftfön erhitzen und geradepressen. Sobald ich die Messerklinge aus der Härterei zurückbekommen habe, wird sie nochmals mit Schleifleinen überschliffen, um die Anlassfarben zu entfernen. Nun wird die Klinge im Griff eingeklebt. Die Griffschalen aus Kuhhorn werden genau zurecht geschliffen und ebenfalls eingeklebt. Das Horn wird bündig mit der Neusilbermontierung abgeschliffen, die Schneide noch angebracht und fertig ist das Messer.

Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


5. Fertigst Du eher Messer mit feststehender oder klappbarer Klinge?

Ich mache nur Messer mit feststehender Klinge. Um ein gut funktionierendes handgefertigtes Klappmesser zu machen, braucht man sehr viel Erfahrung. Ich habe mich auf Trachtenmesser und Fuhrmannsbestecke spezialisiert und möchte mich dort noch weiterentwickeln.

Fuhrmannsbesteck von Armin Gasser

© Armin Gasser
Kleines Trachtenbesteck mit Griffeinlagen aus Warzenschweinhauern.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


6. Wie sieht Deine Werkstatt aus: Welche Werkzeuge / Maschinen nutzt Du?

Ich wohne seit 2007 in Kastelruth und habe dort eine kleine Werkstatt, in der früher ein Sattler war. Die Werkstatt ist ca. 20 qm groß und hat zwei große Fenster mit Blick auf die Dolomiten. Dort untergebracht sind eine Standbohrmaschine, eine Tischkreissäge und ein Bandschleifer aus dem Baumarkt. Vor zwei Jahren habe ich mir eine Bandschleifmaschine für Messermacher gekauft, die nicht mehr aus meiner Werkstatt wegzudenken wäre. Neben mehreren kleinen Maschinen, wie Flex, Akkuschrauber, Stichsäge usw. habe ich noch Unmengen an Handwerkzeugen, wie verschiedenste Arten von Feilen, Hämmer, Zangen, Gravierstichel usw. In der Werkstatt sind zwei massive Werkbänke untergebracht mit verschiedenen Schraubstöcken. An einer mache ich die gröberen Arbeiten wie flexen, schleifen und löten. Am anderen Arbeitstisch erledige ich die Feinarbeiten wie feilen mit Nadelfeilen, gravieren oder nähen von Lederscheiden. In einem Schrank befinden sich Säuren, Lacke, Poliermittel, Lederfarben usw. Also, es braucht jede Menge Zeug, um z.B. ein Trachtenmesser anzufertigen.

Werkstatt von Armin Gasser

© Armin Gasser
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


7. Welche Art von Messern bietest Du an? Hast Du Dich auf eine Messerart spezialisiert?

Ich habe mich auf Trachtenmesser und Fuhrmannsbestecke im Stil des 18. und 19. Jahrhundert spezialisiert. Ich mache aber auch Speckmesser in verschiedenen Größen oder auf Wunsch Jagdmesser.

Speckmesser

© Armin Gasser
Speckmesser, ca 16 und 20 cm lang mit Griffen aus Nussholz.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


8. Mit welchen Griffmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?

Die meisten meiner Messergriffe bestehen aus einer Neusilber-Montierung. Neusilber lässt sich gut verarbeiten und gravieren und ist auch sehr korrosionsbeständig. Als Griffschalen oder Griffeinlagen verwende ich am liebsten Kuhhorn von einheimischen Kühen, z.B. Pinzgauer. Es ist zwar aufwändig, die Hörner zurecht zu schneiden, gerade zu pressen und zu schleifen (der Gestank ist auch nicht zu unterschätzen), aber man erhält ein tolles Ergebnis. Kuhhorn als Griffmaterial hat sich schon vor 200 Jahren bewährt. Dieses Material ist sehr widerstandsfähig und nicht anfällig für Verschmutzung.

Griff eines Fuhrmannsmessers.

© Armin Gasser
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


9. Mit welchen Klingenmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?

Für meine Messerklingen verwende ich den Werkzeugstahl D2 (1.2379). Dieser Stahl ist im weichen Zustand leicht zu bearbeiten und ich hatte noch nie Probleme mit dem Härteverzug. Messerklingen aus D2-Stahl sind sehr scharf und schnitthaltig. Meine Messerklingen haben eine Härte von 56 bis 58 HRC.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


10. Welches Verfahren nutzt Du, um Deine Messer zu signieren? Welche Geschichte steckt hinter Deiner Logo?

Mein Logo (meine Initialen) befindet sich auf der Unterseite des Messergriffes. Es wird im Neusilber mit dem Stichel per Hand eingraviert. Zusätzlich zu meinem Logo steht dort auch das Entstehungsjahr. Dieses Logo habe ich vor etwa 15 Jahren entworfen. Es befindet sich auch an etlichen Kamineinfassungen, Kupferkesseln und Blechdächern, die ich damals als Bauspengler gemacht habe.

Schmiedemarke Armin Gasser

© Armin Gasser
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


11. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?

Es gibt mehrere Methoden, ein Messer zu schärfen. Meiner Meinung nach kann man nicht sagen: die eine Methode ist richtig, die andere falsch. Es sollte jeder selbst herausfinden, mit welcher Methode er oder sie am besten zurechtkommt. So gibt es z.B. Schleifsets mit einstellbarem Schleifwinkel, welche sicher die einfachste Methode ist. Ein sehr gutes Ergebnis erreicht man mit hochwertigen japanischen Schleifsteinen. Auf Schleifsteinen zu schärfen verlangt jedoch viel Übung und Geduld. Ich persönlich schärfe meine Messer am Bandschleifer. Es ist aber dringend davon abzuraten, herkömmliche Bandschleifmaschinen aus dem Baumarkt zu benutzen, da diese viel zu schnell laufen.

Messer schärfen

© Armin Gasser

Beim Schärfen am Bandschleifer muss die Laufgeschwindigkeit des Schleifbandes niedrig gehalten werden. Darüber hinaus muss die Klinge bei jedem „Durchzug“ im Wasser abgekühlt werden. Ist eine Messerklinge ganz stumpf, schleife ich zuerst mit Körnung 400, dann 1000 und 2000. Zum Schluss noch am Lederriemen oder Wetzstahl abziehen. Um zu testen, ob ein Messer scharf ist, nimmt man ein Blatt Papier und hält es mit zwei Fingern an einem Eck. Gelingt es, das Blatt in einem glatten Schnitt zu durchtrennen, ist das Messer scharf. Man sollte das Messer nicht erst schärfen, wenn es schon ganz stumpf ist. Sobald man merkt, dass das Messer nicht mehr ganz scharf ist, gleich mit einem guten Wetzstahl nachwetzen. Dies funktioniert nur bei Klingen mit einer Härte unter 58 HRC. Meiner Meinung nach sollte eine Messerklinge auch nicht härter sein.

Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


12. Entwirfst und fertigst Du die zugehörigen Lederscheiden für Deine Messer selbst? Welche Materialien verwendest Du und warum?

Ja, ich mache und entwerfe die Lederscheiden für meine Messer und Bestecke selbst. Ich verwende dafür ein etwa 3 mm starkes vegetal gegerbtes Rindsleder. Zuerst mache ich mir eine Papierschablone und übertrage die Umrisse auf das Leder. Nach dem Ausschneiden wird der Keder eingeklebt und die Löcher für die Naht gestochen. Die Lederscheide wird dann per Hand mit einer sogenannten Sattlernaht zusammengenäht. Ich weiche sie dann in Putzalkohol ein, um sie in feuchtem Zustand in Form zu bringen und zu punzieren. Nach dem Trocknen ist die Lederscheide hart und behält so ihre Form.

Lederscheiden

© Armin Gasser
Gesamtbreite der Lederscheide eines Fuhrmannsbesteckes: 5,5 cm
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


13. Gibt es unter denen von Dir handgefertigten Messern eines, mit dem Du etwas Besonderes verbindest?

Ich habe ein Besteck, das ich mit Stolz für immer aufbewahren werde. Es handelt sich um ein kleines Trachtenbesteck, bestehend aus Messer und zweizinkiger Gabel. Die Griffe bestehen aus Neusilber und Olivenholz. Im Herbst 2010 gewann ich damit den Südtiroler Handwerkspreis in der Kategorie „Altes Handwerk“.

besonderes Trachtenbesteck

© Armin Gasser
Siegerobjekt: Gesamtlänge des Messers bzw. der Gabel: 16 cm
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


14. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?

In der Regel kostet ein Trachtenmesser zwischen 260 und 320 Euro. Ein zweiteiliges Trachtenbesteck (Messer und Gabel) zwischen 500 und 550 Euro und ein dreiteiliges Besteck (Fuhrmannsbesteck – Messer, Gabel und Pfriem) zwischen 660 und 750 Euro. Der Einstiegspreis liegt bei 220 Euro für ein Speckmesser mit einem Griff aus Nussholz oder Zirmholz.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


15. Worin siehst Du die Unterschiede Deiner Messer zu denen, die in Groß-Serien in Messerschmieden produziert werden?

Der Hauptunterschied liegt wohl darin, dass Trachtenmesser (Fuhrmannsmesser) und Fuhrmannsbestecke im Großhandel gar nicht erhältlich sind. Fuhrmannsmesser, auch 9-Kreuz-Messer genannt, und Fuhrmannsbestecke waren und sind handgefertigte Unikate, die meist individuell nach Kundenwunsch angefertigt werden.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher


16. Welche Trends siehst Du für den Markt der handgefertigten Messer?

Ich würde sagen, der Trend geht eher dahin, dass man sich nicht nur ein handgefertigtes Messer kauft, sondern dass man sich eines anfertigen lässt. Der Kunde möchte mitentscheiden, wie sein Messer gestaltet werden soll. Er hat vielleicht bestimmte Vorlieben für Griffmaterialien oder wünscht sich eine bestimmte Länge der Klinge. Zusammen mit dem Messermacher kommt man dann zu der Lösung, wie das Messer aussehen wird. Der Kunde erhält so sein ganz persönliches handgefertigtes Wunschmesser.
Armin Gasser – Südtiroler Messermacher






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