Messermacher Christoph Daim

Christoph Daim

Messermacher
Christoph Daim

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    Deutschen Messermacher Gilde

Neben japanischer Steinkunst kreiert Christoph Daim aus Wien äußerst spezielle Messer. Jedes seiner Werke ist ein Einzelstück, das unterschiedlichsten Ideen entspringt. Manchmal sind es Formen, die Christoph Daim inspirieren, manchmal Materialien. Je nach persönlicher Vorliebe oder auch nach Kundenwunsch werden neue Dinge ausprobiert, sodass Messer entstehen, die es vorher so noch nicht gab. Den Anfang machte ein Artikel über Mokume. Dabei handelt es sich um eine japanische Schmiedetechnik aus dem 16. Jahrhundert, die auf ihr besonderes Aussehen anspielt: Mokume bedeutet in etwa „Holzmaserung“. Es ist nicht vorrangig die Funktionalität eines Messer, die Daim beim Messermachen anstrebt. Zu seinen Messern gibt es häufig auch eine persönliche Note, die zum Nachdenken anregen soll. In unserem Interview verrät Christoph Daim seinen Hintergrund, seine Technik und seine Vorgehensweise von der Idee bis hin zum Messer. Wer sich selber inspirieren lassen möchte, wird hier bestimmt fündig! Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!


2. Was reizt Dich am Messermachen?3. Seit wann fertigst Du Messer?
5. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?6. Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Messer entwirfst?
8. Welche Art von Messern bietest Du an? Hast Du Dich auf eine Messerart spezialisiert?9. Fertigst Du eher Messer mit feststehender oder klappbarer Klinge? Und warum bevorzugst Du den jeweiligen Aufbau?
11. Welches Verfahren nutzt Du, um Deine Messer zu signieren? Steckt eine besondere Geschichte hinter Deinem Logo?12. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?
14. Gibt es unter den von Dir handgefertigten Messern eines, mit dem Du etwas Besonderes verbindest?15. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?
17. Welche Trends siehst Du für den Markt der handgefertigten Messer?






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1. Wie bist Du zum Messermachen gekommen?

Mein Interesse für handgefertigte Messer wurde tatsächlich von einer Ausgabe des Messermagazins im Herbst 2005 geweckt: Auf dem Titelbild der Ausgabe wurde ein Bericht über Mokume angekündigt. Es war vor allem die Schönheit dieses Materials, die mich fasziniert hat; es wurde in dem Artikel auch ein traumhaftes Stück Gold-Mokume von Johannes Ebner gezeigt. Dann sah ich natürlich auch Messer, an denen dieses Mokume verarbeitet war. Später bekam ich ein Buch über das Bauen von Messern geschenkt und irgendwann habe ich dann beschlossen, selbst ein Messer zu bauen…
Mein erstes Messer sollte ein zerlegbares Klappmesser mit Backlockmechanik werden, weil mich Klappmesser und ihre Mechanik schon immer begeistert haben.
Mit Material und guten Ratschlägen von Stefan Gobec ausgestattet, jedoch ohne wirkliche Werkzeuge (außer einem Akkuschrauber und ein paar Feilen) wurde das dann ein sehr spannendes “Projekt”.
Es war dann auch kein großes Wunder, dass mein erstes feststehendes Messer früher fertig geworden ist. Nachdem ich von Johannes Ebner Mokume bekommen habe, wollte ich unbedingt ein Messer damit bauen. Das kleine feststehende Messer war dann erheblich einfacher zu bauen und schneller fertig.
Christoph Daim – Messermacher


2. Was reizt Dich am Messermachen?

Besonders reizt mich das Gestalten und Entwerfen neuer Messer, d.h. etwas eine Form geben, die ich selbst entwickelt habe, ist eines der Dinge, die mich am meisten am Messermachen faszinieren.
“Normale” und “praktische” Messer gibt es viele gute und günstige. Ich zeichne, schaffe, erfinde Formen, die Funktion ist für mich eher etwas Untergeordnetes (obwohl sie in ihrer zu Grunde liegenden Form des Schneidens oder auch Stechens natürlich immer gegeben sein muss).
Ein Beispiel: Ich wollte ausprobieren, ein Messer zu bauen, das möglichst naturgetreu einen Bambuszweig nachbildet. Aus Damasteel-Rundmaterial von 350 gr. Anfangsgewicht habe ich in Handarbeit (das ist wichtig, damit die organischen “Unebenheiten” der Natur sich auch im Messer wiederfinden) mit Feilen und Schleifpapier das “Bambusmesser” gebaut. Sein Endgewicht sind dann nur mehr 115 gr. Die Form ist die eines schwarzen Bambus, wobei die Klinge zusätzlich die Form eines Bambus-Blatts hat.
Christoph Daim – Messermacher


3. Seit wann fertigst Du Messer?

Seit 2007 entstehen jedes  Jahr einige wenige, komplett handgefertigte, Messer.
Christoph Daim – Messermacher


4. Kannst Du uns etwas über Dein erstes Messer und dessen Entstehung erzählen?

Wie schon oben kurz erwähnt, gibt es für mich zwei “erste” Messer: Einen Backlock-Folder, den ich zuerst begonnen habe, ohne wirklich viel darüber zu wissen und ein feststehendes Messer mit Mokume von Johannes Ebner.
Das eher kleine Fixie aus RWL 34 wurde dann deutlich früher als das Klappmesser fertig, weil ich es mir mit dem Folder selbst nicht leicht gemacht habe. So hat schon dieser erste Folder, wie alle meine Messer mit Backlock-Verriegelung, eine einteilige Feder, die mit Filework verziert ist. Es ist komplett verschraubt und damit zerlegbar, Sonnenschliff auf den Platinen-Innenseiten, Damasteel Backen ect.

Christoph Daim Erstes Messer

© Christoph Daim
Meine zwei “ersten” Messer
Christoph Daim – Messermacher


5. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?

Ich entwerfe meine Messer hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes, also nicht in erster Linie zweckorientiert. Ich habe schon sehr früh eine Idee, wie das fertige Messer aussehen soll. Bei der Umsetzung zeigt sich dann recht schnell, ob aus dieser Idee auch wirklich das entsprechende Messer werden kann.
Manchmal baue ich Messer auch um Griffmaterialien herum, wenn sie mir besonders gefallen oder mich inspirieren. Das führt dann auch zu neuen Klingenformen, wie z.B. bei dem Modell “Acushnet”. Im nächsten Schritt gefällt mir die Klingenform dann so gut, dass ich sie ein zweites Mal für ein Klappmesser modifiziere.
Christoph Daim – Messermacher


6. Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Messer entwirfst?

Ich habe eine Idee vom dem, was entstehen soll. Der direkt darauf folgende Schritt erfolgt mit Papier und Bleistift: ich fertige einige Skizzen des Messers an. Oft entspricht schließlich das fertige Messer ziemlich genau diesen frühen Skizzen! Dann baue ich im nächsten Schritt auch Schablonen aus Pappe (seltener aus Aluminium oder anderem Material),  um  die ergonomischen Gegebenheiten beurteilen und verbessern zu können. Es kommt aber auch vor, wenn ich von einer Idee so sehr gepackt werde, dass ich die Skizze gleich auf dem Stahl anfertige und beginne, die Grundform auszusägen.

Christoph Daim Erstes Messer

© Christoph Daim
Skizzen und Entwürfe zu “Big Blade”
Christoph Daim – Messermacher


7. Wie sieht Deine Werkstatt aus: Welche Werkzeuge / Maschinen nutzt Du?

Nach wie vor verwende ich nur sehr wenige Maschinen. Eine BF-20 wurde erforderlich für den präzisen Bau weiterer Folder, zusätzlich ein Tellerschleifer zum Bearbeiten von Griffmaterial. Das ist es schon mit den Maschinen.
Die Rohformen der Klingen schneide ich mit der Laubsäge(!) aus dem Stahl, die Klingen selbst feile ich komplett von Hand. Die weitere Bearbeitung findet dann mit Schleifpapier, ebenfalls von Hand, statt. Dadurch kann sich mein Atelier in einer “normalen” Wohnung befinden. Es braucht zwar mehr Zeit, hat aber auch Vorteile. So ist z.B. die Lärm und Staubentwicklung minimal. Und mit der BF-20 kann ich sogar spät am Abend Klingenachsen bohren, so leise ist sie. Und ich habe eine sehr genaue Kontrolle über jeden Arbeitsschritt. Dadurch, dass ich gar nichts “in Eile” machen kann, konzentriere ich mich auf diejenigen Einzelstücke an Messern, die ich wirklich bauen will. Allerdings entsteht auf diese Weise auch nur eine begrenzte Menge an Messern pro Jahr.

Christoph Daim Werkstatt

© Christoph Daim
Meine Werkstatt
Christoph Daim – Messermacher


8. Welche Art von Messern bietest Du an? Hast Du Dich auf eine Messerart spezialisiert?

Nein, spezialisiert auf einzelne Messertypen bin ich nicht. Alle meine Messer sind einzigartig und tendenziell eher zierlich; das hat mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun. Außerdem reizt es mich, immer wieder etwas Neues auszuprobieren und Messer zu bauen, die ich noch nie gemacht habe und die es noch nie gab.
Dadurch, dass ich viele andere Interessen habe, wird natürlich auch meine Arbeit als Messermacher beeinflusst. Z.B. bin ich durch das Aikidotraining, das ich vor 25 Jahren im Aikidojo in Münster begonnen habe, mit der Handhabung eines japanischen Schwertes vertraut.

Christoph Daim Tsuba Messer

© Christoph Daim
“Big Blade” – zerlegbares fixes Messer aus 16 Einzelteilen

Also wollte ich versuchen ein Messer mit Tsuba (der Handschutz eines japanischen Schwertes) aus Damasteel zu bauen: Meine Tsuba sind Miniatur-Ausführungen nach eigenen Entwürfen und ebenfalls komplett in Handarbeit hergestellt, mit Laubsäge und Feilen. Das ist sehr viel Arbeit, aber die Ergebnisse waren ansprechend. So ist dann ein feststehendes Messer entstanden, das aus 16 Bauteilen besteht. Man kann diese Tsuba natürlich auch als  Schmuckstück um den Hals tragen.

Christoph Daim – Messermacher


9. Fertigst Du eher Messer mit feststehender oder klappbarer Klinge? Und warum bevorzugst Du den jeweiligen Aufbau?

Ich mache beides, je nach Zeit, Lust und Laune: Feststehende und Klappmesser, sowohl Linerlock als auch Backlock Konstruktionen. Das tolle an Klappmessern ist für mich auch die Tatsache, dass man sie eigentlich immer und überall mitführen kann. Auch wenn ich ins Theater oder in die Oper gehe, kann ich ein zierliches schönes Messer in der Handtasche mitnehmen.
Christoph Daim – Messermacher


10. Mit welchen Griff- und Klingenmaterialien arbeitest Du besonders gern?

Schmieden und selbst härten tue ich nicht. Das liegt auch an den Stahlsorten, die ich besonders gern verwende: Das sind bevorzugt rostfreie Stähle wie RWL34 und Damasteel. Sie sind hervorragend auch zum Gravieren geeignet und die optischen Eigenschaften sind auf gleich hohem Niveau wie die technischen (Härte, Schnitthaltigkeit). Ich lasse Sie bei der Fa. Gobec unter Schutzgas härten und wärmebehandeln. Vielseitiger sind die von mir verwendeten Griffmaterialien: Elfenbein, Koralle, Knochen, Schildpatt, Perlmutt, Holz (nur stabilisiertes Holz mag ich nicht sehr), Metall, alles ist möglich.

Christoph Daim Messer Griffe

© Christoph Daim
verschiedene Griffformen und Materialien
Christoph Daim – Messermacher


11. Welches Verfahren nutzt Du, um Deine Messer zu signieren? Steckt eine besondere Geschichte hinter Deinem Logo?

Bis auf wenige Ausnahmen signiere ich meine Messer nicht. Die optischen bzw. ästhetischen Nachteile einer Signatur sind meiner Ansicht nach besonders bei zierlichen Messern erheblich.
Anders gesagt, möchte ich ein Messer nicht verschandeln, nur damit mein Name oder Logo darauf zu finden ist. Und meine Messer sind meist so eigen und speziell, dass sie ein Logo nicht nötig haben. Ich gebe aber zu jedem Messer ein Zertifikat dazu, das für das verwendete Material und meine Arbeit garantiert.
Witzige Ausnahmen sind z.B. das “Bram Stoker Messer” bei dem die Graveurin meinem Wunsch und meinem Entwurf entsprechend ihre und meine Initialen in die Grabsteine der Friedhofsszene graviert hat. So wird dann die Signatur Teil der Geschichte.

Christoph Daim Erstes Messer

© Christoph Daim
Christoph Daim – Messermacher


12. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten und jeder Messermacher hat sicher gute Gründe für seine jeweilige Methode. Immer sollte sichergestellt sein, dass die gehärtete Klinge nicht überhitzt wird. Das Risiko ist z. B. bei der Verwendung eines Bandschleifers eher höher. Beim Schleifen mit Steinen, so wie ich es anwende, besteht diese Gefahr nicht.

Christoph Daim Messer

© Christoph Daim
Küchenmesser “Barracuda”
Christoph Daim – Messermacher


13. Entwirfst und fertigst Du die zugehörigen Holster für Deine Messer selbst?

In den meisten Fällen ja. Aber manche Messer bekommen stattdessen auch Präsentationsboxen oder geeignete Schachteln, wenn sie sich dann schöner präsentieren lassen.

Christoph Daim Messer Boxen

© Christoph Daim
Christoph Daim – Messermacher


14. Gibt es unter den von Dir handgefertigten Messern eines, mit dem Du etwas Besonderes verbindest?

Zwei meiner gravierten Messer, das Einhornmesser und das “Bram Stoker Messer” sind schon etwas ganz Besonderes. Zusammen mit der Graveurin Stefanie Ullrich, ist es uns gelungen, Messer zu schaffen, die sehr besonders sind und voller Anspielungen stecken. Jede der beiden Seiten dieser Messer zeigt nur einen Teil der Geschichte. Um sie ganz zu erfassen, muss man nicht nur beide Seiten genau anschauen, sondern sich auch ein paar Gedanken machen.

Christoph Daim Bram Stoker Messer

© Christoph Daim
“Homage to Bram Stoker” und “Einhornmesser”
Christoph Daim – Messermacher


15. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?

Es beginnt bei kleineren fixen Messern ab ca. 200,- EUR und reicht derzeit bis ca. 2500,- 3000,- EUR, was die Verwendung von Feingold und aufwendigeren Gravuren einschließt.
Christoph Daim – Messermacher


16. Worin siehst Du die Unterschiede Deiner Messer zu denen, die in Groß-Serien in Messerschmieden produziert werden?

Na, der Blick auf einzelne meiner Messer wird das leicht zeigen:
Die Ideen dahinter und die Ansprüche sind ganz andere. Wer einfach nur schneiden muß, kann das auch mit einem Cutter aus dem Baumarkt für 0,99 Cent effektiv tun.
Ich möchte eher kleine Schmuckstücke schaffen, an denen man sich immer wieder erfreuen kann (und die dann auch noch schneiden…). Also Sammlerstücke. Viele meiner Messer haben daher auch einen Namen, ein Rätsel, einen Beipackzettel oder auch ein Gedicht, das mitgeliefert wird.
Oder ich verwende z.B. verzierte, handgefeilte Schrauben, die ich selbst, je nach Verwendungszweck bläue oder bräune oder vergolden lasse, damit Sie optimal zum Messer und zum Griffmaterial passen. Diese Liebe zum Detail, die kaum einen Aufwand scheut, können Serienmesser nicht bieten.
Christoph Daim – Messermacher


17. Welche Trends siehst Du für den Markt der handgefertigten Messer?

Ich glaube so viele gute Messermacher mit tollen Ideen und einem hohen handwerklichen Anspruch wie jetzt, hat es im deutschsprachigen Raum noch nie gegeben. Dementsprechend gibt es immer wieder viele interessante Arbeiten und Neuigkeiten zu sehen.
Eine gute Möglichkeit, sich über die aktuellen Trends zu informieren, bietet die jährliche stattfindende Ausstellung der DMG in Sindelfingen „Scharfe Sachen“. Sie findet heuer am 16.9.2012 statt und dort zeigen die Mitglieder der Gilde aktuelle Arbeiten.

Der “Markt” ist schwierig zu beurteilen, aber oft stelle ich im Gespräch mit Kunden und Interessenten fest, dass der Blickpunkt sehr auf traditionellen Formen und klassischem Design liegt.

Die Zweckgebundenheit ist noch sehr stark in den Köpfen der Besucher, die häufigste Frage ist daher: Wozu benutzt man das?! Ich hoffe, dass sich das im Bewusstsein der Menschen ändert, je populärer handgemachte Messer als Unikate und wirkliche Sammlerstücke werden. Die Fragen sollten dann eher lauten:
Ist es gut (gemacht)? Ist es ästhetisch? Ist es authentisch (im Sinne von: ist es die siebenundneunzigste gelungene Kopie eines berühmten Designs eines berühmten Messermachers oder ist es echt und neu?). Spricht es mich an?
Und die wichtigste Frage: Wie sehr will ich es haben?!
Christoph Daim – Messermacher






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