Messermacher Nils Kohring

Nils Kohring

Messermacher
Nils Kohring

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  • Messermacher seit 2007

Nils Kohring, hauptberuflich eigentlich Zahnarzt, widmet sich seit 2007 dem Messermachen. Nils empfindet das Messermachen als einen kreativen Ausgleich zu seinem Beruf. Besonders interessant sei die Vielfalt der Messer bezüglich Formen, Klingen- und Griffmaterialien. Selbst die Lederholster für seine Messer fertigt Nils selbst. Es geht darum durch eigenes Geschick etwas Dauerhaftes und Greifbares zu schaffen. Bei seiner Fertigung setzt er ganz besonders auf Handarbeit. Maschinen kommen nur bei den groben Arbeiten zum Einsatz. Auch die Wärmebehandlung der Klingen führt Nils nach Möglichkeit in seinen eigenen Härtöfen durch. Uns interessiert aber noch viel, viel mehr. Im folgenden Interview gibt uns Nils Kohring spannende Antworten zu seinem spannenden Hobby und verrät uns unter anderem, was ihn inspiriert, welche Geschichte hinter seinem Logo steckt oder wie er seine Messer schärft. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!


2. Kannst Du uns etwas über Dein erstes Messer und dessen Entstehung erzählen?3. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?
5. Wie sieht Deine Werkstatt aus: Welche Werkzeuge / Maschinen nutzt Du?6. Welche Art von Messern bietest Du an? Hast Du Dich auf eine Messerart spezialisiert?
8. Mit welchen Griffmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?9. Mit welchen Klingenmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?
11. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?12. Entwirfst und fertigst Du die zugehörigen Holster für Deine Messer selbst? Welche Materialien verwendest Du und warum?
14. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?15. Worin siehst Du die Unterschiede Deiner Messer zu denen, die in Groß-Serien in Messerschmieden produziert werden?
17. Was erwartet die Besucher in Deinen Messermacherkursen und für wen sind diese besonders interessant/geeignet?






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1. Wie bist Du zum Messermachen gekommen? Seit wann fertigst Du Messer?

Von Jugend an habe ich mich immer mit Handwerk, Basteln und Zeichnen beschäftigt. Nicht umsonst waren Kunst und Werken in der Schule meine Lieblingsfächer, mein Hauptfach im Abitur Kunst. Mich hat immer das Zusammenspiel von Entwerfen und Umsetzen interessiert. Durch meinen eigentlichen Beruf als Zahnarzt kommt mir das kreative Gestalten natürlich viel zu kurz, daher suchte ich wohl instinktiv nach einer Beschäftigung, die handwerkliches Geschick mit dem Bedürfnis, etwas Dauerhaftes, Bleibendes und Greifbares zu schaffen. Daher bin ich 2007 zum Messermachen gekommen.
Mich reizt einfache das Handwerkliche in Verbindung mit dem Gestalterischen, dazu natürlich der Umgang mit den unterschiedlichsten Materialien über die Metalle, Hölzer, Naturmaterialien wie Horn und Knochen bis hin zur Lederverarbeitung. Und wenn man dann so nebenbei auch noch ein überaus nützliches Werkzeug herstellt, sind damit eigentlich alle meine Anforderungen an ein ausfüllendes Hobby befriedigt.
Nils Kohring – Messermacher


2. Kannst Du uns etwas über Dein erstes Messer und dessen Entstehung erzählen?

Lieber nicht… Es war ein Messerbausatz der Firma Dick (heute Dictum), die u. a. hochwertige Werkzeuge für Tischler, Instrumentenbauer und ambitionierte Heimwerker anbieten. Der Bausatz bestand aus einer Fertigklinge und einem Kantel Maserbirkenholz, dazwischen steckte noch eine Parierstück aus Messing. Aber ich war sofort mit dem legendären Messerbauvirus infiziert und das übernächste Messer war schon so ansehnlich, dass es wenig später einen Käufer fand, was mich natürlich sehr stolz machte. Messer Nr. 1 wird übrigens auch heute noch von meinem Sohn benutzt.
Nils Kohring – Messermacher


3. Woher bekommst Du die Ideen zu Deinen Messern? Was inspiriert Dich?

Schwere Frage… Bei freien Arbeiten mache ich, wozu ich im Moment Lust habe; oder ein besonderes Stück Material weckt mein Interesse, und ich überlege an welche Art von Messer es am besten passen würde. Bei Damaststahl ist es z.B. eine echte Herausforderung, ein passendes Griffmaterial auszuwählen, welches das Muster nicht erschlägt und trotzdem für sich wirkt.
Nils Kohring – Messermacher


4. Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Messer entwirfst?

Früher stand immer ein Entwurf am Anfang. Wenn mir eine bestimmte Messerform im Kopf herumspukte, nahm ich ein Blatt Papier und versuchte den Gedanken zu Papier zu bringen. Dabei verwendete ich oft Schablonen, um perfekte Kreisbögen oder Oval einzusetzen, ebenso Kurvenschablonen für harmonische Linien. Später bekam ich langsam ein Gefühl dafür, so dass ich teilweise auch frei baue, d.h. die endgültige Form entsteht während des Arbeitsprozesses.

Kohring Messer Schablone

© Nils Kohring
Der Entwurf eines Klappmessers.
Nils Kohring – Messermacher


5. Wie sieht Deine Werkstatt aus: Welche Werkzeuge / Maschinen nutzt Du?

Meine Werkstatt ist sehr klein und hat etwa die Größe einer Fertiggarage. Darin steht eine unglaublich zugemüllte Arbeitsplatte mit alten Werkzeugschränken darunter, in denen sich Unmengen vor Handwerkzeugen aller Art befinden, da ich früher schon viel mit Holz gearbeitet hatte. An Maschinen verfüge ich nur über einen professionellen Bandschleifer, der speziell für Messermacher konzipiert wurde und eine Standbohrmaschine einfacher Ausführung. Manchmal kommt fürs Grobe noch eine Flex zum Einsatz. Das war’s – der Rest wird per Hand gemacht.

Kohring Werkstatt

© Nils Kohring
Hier ist der Ort, an dem die Messer von Nils Kohring entstehen.
Nils Kohring – Messermacher


6. Welche Art von Messern bietest Du an? Hast Du Dich auf eine Messerart spezialisiert?

Eine Spezialisierung gibt es überhaupt nicht. Mein kleinstes Messer war ein 3-Finger Messer von vielleicht 8-10 cm Gesamtlänge, das Längste eine Machete von fast 50 cm Länge. Mich reizt gerade die Vielseitigkeit dieses Hobbies, insbesondere allerdings liebe ich den Bau von Klappmessern! Hierbei finde ich besonders die Präzision der Mechanik spannend und sehr anspruchsvoll. Wobei es durchaus auch bei feststehenden Messern extrem anspruchsvolle Aufbauarten gibt, die teilweise schwieriger sind als der Bau eines Klappmessers!
Nils Kohring – Messermacher


7. Fertigst Du eher Messer mit feststehender oder klappbarer Klinge?

Wie oben schon gesagt, der Klappmesserbau macht mir z.Zt. am meisten Spaß, aber ich baue was kommt, besonders wenn ein Auftrag zu erledigen ist, dann wird gebaut was der Kunde wünscht. Ein Steckerlmesser lässt mir allerdings den meisten Freiraum bei der Griffgestaltung, von daher bevorzuge ich schon diese Konstruktion. Meine Klappmesser sind überwiegend Linerlockverschlüsse. Das hat allerdings keinen besonderen Hintergrund. Ich muss mich natürlich auf Konstruktionen beschränken, die mit meinen technischen Möglichkeiten machbar sind. Allerdings beabsichtige ich schon in ferner Zukunft, meinen Maschinenpark um eine ordentliche Fräsmaschine und evtl. eine Drehbank zu erweitern, dazu ist aber ein Ausbau der Werkstatt nötig, und der steht momentan noch in den Sternen.
Nils Kohring – Messermacher


8. Mit welchen Griffmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?

Kohring Messer Klinger

© Nils Kohring
Modell: Salamander, mit grünem Micarta und oranger G10 Unterlage.

Auch hier verwende eigentlich alles von Elfenbein über Hölzer, aber auch sehr gerne Plastik, je gemeiner die Farbe desto lieber: G10, Micarta, nachtleuchtendes Glow-in-the-Dark… Sehr gern verwende ich stabilisierte Materialien, weil sie zumindest teilweise die Optik des Naturmaterials mit den mechanischen Eigenschaften eines Kunststoffes vereinen.

© Nils Kohring
Verschraubte Monturen aus Bronze (Rotguss), dazwischen eine Griffeinlage aus Ebenholz mit einem Edelstahlpin fixiert und zusätzlich über eine Schwalbenschwanzpassung gehalten.
Nils Kohring – Messermacher


9. Mit welchen Klingenmaterialien arbeitest Du besonders gern und warum?

Am liebsten arbeite ich mit den Stählen, bei denen ich die Wärmebehandlung selbst durchführen kann, also Kohlenstoffstähle wie 1.2842 oder 1.2519 und entsprechende nicht rostfreie Damaststähle. Dafür habe ich zwei kleine Härtöfen mit einer genauen Regelung. Bei den gewerblichen Härtereien habe ich leider schon öfter schlechte Erfahrungen gemacht. Da rutscht so eine kleine Messerklinge unter „ferner liefen“ mit durch und es interessiert da wenig, ob die gerade bleibt oder nicht. Wenn dieser Arbeitsschritt in meinen Händen liegt, weiß ich genau was mit dem Stahl passiert, außerdem spart es den Zeitverlust, wenn man nicht auf das Härtegut warten muss, was immer so ca. 2 Wochen Pause beim Bau eines Messers bedeutet.
Schmiede macht in meinen Augen nur Sinn, wenn man Damast herstellt, ansonsten verwende ich bei Monostählen fertiges Flachmaterial. Damast schmiede ich ab und zu bei einem guten Freund, der selbstständiger Schmied ist. Das ist immer ein tolles Erlebnis!
Nils Kohring – Messermacher


10. Welches Verfahren nutzt Du, um Deine Messer zu signieren? Welche Geschichte steckt hinter Deiner Schmiedemarke?

Mein Logo ist ein Kreis aus 7 Punkten. Den hat mir ein guter Freund entworfen, der Designer und Architekt ist. Das ist einfach ein Logo weil’s gut ausschaut. Und manchmal ist eine Zigarre einfach eine Zigarre, wie Freud schon wusste. Das Logo hat den Vorteil, dass ich es mit einer Schablone in die Messer einbohren kann, meist in Verbindung mit den Pins. Und es lässt sich auch mit der Schablone hervorragend in Leder punzieren.

Messer Logo Nils Kohring

© Nils Kohring
Das Logo ist statt auf der Klinge auf den Griffschalen des Messers.
Nils Kohring – Messermacher


11. Gibt es Deiner Meinung nach ein “richtiges Schärfen” von Messern? Wie schärfst Du Deine Messer?

„Richtig“ schärft man ein Messer so, dass es scharf genug ist. Dabei kann man durchaus zwischen einer ordentlichen Gebrauchsschärfe für den jeweiligen Zweck und dem high-end-Schärfen auf Steinen aus Steinen mit Körnung unendlich unterscheiden. Natürlich ist es reizvoll, eine maximale Schärfe zu erzielen, aber nötig ist es nicht immer und der Stahl und die Geometrie limitieren die Schärfe.
Ich verwende ein Lansky Set mit anschließendem Abzug auf dem Leder oder eine Jet Nassschleifmaschine, je nach Lust und Laune.
Nils Kohring – Messermacher


12. Entwirfst und fertigst Du die zugehörigen Holster für Deine Messer selbst? Welche Materialien verwendest Du und warum?

Ja, nach einiger Zeit hatte ich mich auch in die Lederarbeit vertieft, welche mir immer mehr Spaß macht. Teilweise nehme ich inzwischen auch reine Lederaufträge an, solange es nicht überhand nimmt. Mit Kydex habe ich nicht so viel am Hut merkwürdigerweise. Aber zu jedem Messer gehört eigentlich eine Scheide oder ein Holster und ein guter Messermacher sollte so was auch fertigen können. Aber da gibt es bestimmt bessere Spezialisten als mich.

Kohring Messer Scheide

© Nils Kohring
Eine von Nils Kohring handgefertigte Scheide passend zu dem ebenso handgefertigtem Messer.
Nils Kohring – Messermacher


13. Gibt es unter denen von Dir handgefertigten Messern eines, mit dem Du etwas Besonderes verbindest?

Irgendwie hat jedes Messer so seine besondere Entstehungsgeschichte. Manche machten während des Bauens viel mehr Schwierigkeiten als vorher gedacht. Das Messer „Thin-white-duke“ z.B. hat 3 Anläufe bei den Griffschalen gebraucht, weil die wegen des etwas komplizierten Designs mit unterschiedlichsten Materialien jedes Mal zerbrochen sind, natürlich immer als schon alles fertig war. An so was erinnert man sich natürlich.
Nils Kohring – Messermacher


14. In welcher Preisklasse liegen Deine Messer? Wo liegt der Einstiegspreis Deiner Messer?

Ein einfaches Fixed, wie z.B. mein Modell Klingler, beginnt so um die 180 – 200 Euro. Dafür bekommt man bei mir ein handgefertigtes Unikat inkl. einfacher Steckscheide. Nach oben ist viel Spielraum. Mein teuerstes Messer z.Zt. ist ein Klappmesser Damast mit Elfenbein für 1150,- Euro. Ohne Holster wohlgemerkt.

Kohring Messer Macarios

© Nils Kohring
Das bisher teuerste Messer von Nils Kohring – das Macarios. Das Design stammt von Raimund Lhotak.
Nils Kohring – Messermacher


15. Worin siehst Du die Unterschiede Deiner Messer zu denen, die in Groß-Serien in Messerschmieden produziert werden?

Ein handgefertigtes Messer ist natürlich erstmal ein Unikat, das es so kein zweites Mal gibt. Einem Kunden, dem so was wichtig ist und der das zu schätzen weiß, ist das der natürlich deutlich höhere Preis wert. Sicher kann ein Messer von der Stange auch gut verarbeitet sein und durch Maschinenfertigung, womöglich noch in Billiglohnländern, zu unschlagbaren Preisen angeboten werden. Aber ich denke das ist einfach eine Glaubensfrage. Wenn jemand ein Messer fürs Leben haben möchte, ein Messer mit Seele und Herzblut, wird er sich eher für ein handgefertigtes Stück entscheiden. Außerdem finde ich gerade bei Klappmessern sieht man in den Details deutlich, dass bei handgefertigten Foldern viel mehr Sorgfalt in der Ausführung liegt. Und der Kunde hat viele Möglichkeiten, ganz individuelle Wünsche umsetzen zu lassen, vom Linkshändermesser bis zu dem Traumaterialien.
Nils Kohring – Messermacher


16. Welche Trends siehst Du für den Markt der handgefertigten Messer?

Das wechselt sehr häufig, aber die Trends liegen, denke ich, eher in der Materialwahl. So ist im Moment Wüsteneisenholz eher out – aber alles kommt wieder. Ich persönlich kümmere mich nicht so sehr um Trends, ich mache was mir gefällt.
Nils Kohring – Messermacher


17. Was erwartet die Besucher in Deinen Messermacherkursen und für wen sind diese besonders interessant/geeignet?

Angefangen hat das mit 2 Bekannten, die mich baten ihnen einen Messerbaukurs zu geben. Dabei entstanden ein Jagdmesser und ein Kochmesser. Ich habe zwar gemerkt, dass mir solch einen Kurs zu geben viel Spass macht, aber auch festgestellt, dass meine Räumlichkeiten eher ungeeignet sind, mehr als eine Person richtig zu betreuen. Daher gebe ich bisher bei mir nur noch Einzelkurse, die natürlich dann vergleichsweise teuer sind, so kostet ein Wochendkurs mit vollen zwei Tagen 495,- Euro. Hinsichtlich des Themas biete ich z.B. einen Klapppmesserkurs an, hier wären aber natürlich auch andere Themen umsetzbar.

Kohring Messermacherkurs

© Nils Kohring
Ein Teilnehmer während eines Kurses vom Messermacher Nils Kohring.

Im Herbst werde ich einen Kurs mit 5 Teilnehmern zusammen mit meinem Freund Nandger Franck in Fulda geben, dort sind Räumlichkeiten vorhanden, die die Betreuung von mehreren Teilnehmern möglich machen.
Langfristig plane ich aber, meine Werkstatt zu erweitern so dass zukünftig die Möglichkeit bestehen wird, Kurs mit 2-4 Teilnehmern dann zu einem attraktiveren Preis anzubieten.
Die Zielgruppe ist eigentlich vom Anfänger bis zu Fortgeschrittenen. Für einen Klappmesserkurs etwas wäre es sicher vorteilhaft, wenn die oder der Teilnehmer/innen schon etwas Erfahrung am Bandschleifer mitbrächten, Bedingung ist das aber nicht.

Nils Kohring – Messermacher






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